Samstag, 28. Januar 2012

Stellen Sie sich vor:


Sie haben eine Abschlussprüfung und schließen sich zur Vorbereitung ein, mehrere Tage lang mit einem unbekannten Partner in derselben Situation.


So taten es Ellen Dederichs und Mike MacKeldey, damals Abschlussabsolventen bei Volker Braun an der Düsseldorfer Kunstakademie. Anstrengend war es, doch heraus kam etwas, was beide Künstler überraschte: eine neue Arbeitsweise und eine gemeinsame Bildsprache, deren Resultat derzeit nicht steuerbar ist, weil es sich ergibt aus einem assoziativ automatisierten, halb bewussten Schaffensprozess. Das surreal fantastische Ergebnis kann man in der Galerie Klose bestaunen auf großen und kleinen Bildern, wo jeder Qudratzentimeter lebt!

“Vorsicht Schweisshund“, Achtung “Wurstgesicht“, es geht los! Nachtgestalten, Ungetüme, Feuer speiende Dämonen, reißzahnige Flügel, Fabel-, Misch- und Monsterwesen tummeln sich dort. Sie jagen, fliegen, schießen durch luftige Landschaften, die traumhaft aufgeladen sind von Feen, Mädchen und langbeinigen Lolitas, die Spielzeuglokomotiven fahren, Schweisshunde an der Leine führen und sich über grünsumpfige Gewässer gondeln lassen. Alles ist möglich, alles erlaubt in diesen traumatisch dampfenden Wald- See- oder Stadtlandschaften, in denen Menschen mit verbundenen Augen auf den Spuren der Romantik Sehnsüchte der Kindheit suchen, natürlich immer vergebens. Die psychologisch brisanten Orte wirken magisch - wie Kulissen, die ihre Sinnsucher schlucken und den rätselnden Betrachter unwiderruflich auf sich selbst und in seine Schranken verweisen. Erklärt werden wollen diese Bilder nicht, man soll sie erleben, entdecken, befragen und sich mit ihnen auseinandersetzen.

Die Malweise, das Prozedere der beiden, die mittlerweile ein Paar sind, ist wagemutig. Ellen Dederichs hat sich - als neue, spielerisch konstruierte Identität? - kürzlich den Kunstnamen Ellen DeElaine zugelegt. Man stelle sich vor: Sie malt illusionistisch zarte, weich fließende Landschaften und lässt es zu, dass Mike MacKeldy künstlerisch interveniert: mit expressiv hingeworfenem Farbauftrag, konzeptlos, spontan und brutal aus dem Bauch und so die Träume und Traumlandschaften mit Monstern belebt und sie dadurch schwer verdaulich macht. Sie antwortet, er reagiert und umgekehrt, was zählt, ist das gemeinsame Resultat. Mike MacKeldy und Ellen DeElaine sind derzeit schwer gefragt ­ hingehen, schauen, sich überraschen lassen!

Bis 26.02.2012, Galerie Klose, Rüttenscheider Straße 221, mo-fr 10-18.30, sa 11-15 Uhr

29.01.2012, Stefan Geisler im Forum Niederberg, Velbert, Oststraße 20, mo-fr 9-12, mo, di, mi 13-15, do 13-18 Uhr


Etwas muss raus!

Etwas muss raus! Nicht alles, das ist klar, sondern das, was der Galerist nicht mehr braucht. Nicht etwa weil die Qualität nicht stimmt, sondern weil das Bild nicht mehr passt ins Programm der Galerie, weil es zu groß ist, zu bunt, zu alt oder zu expressiv.

“Ein bisschen schräg darf es sein“, so der Galerist, und das ist es auch bei der 170sten Ausstellung, die er nun bestreitet. Ohne gedruckte Einladung kommen die Besucher und ohne gedruckten Preis stehen die Bilder zum Verkauf. Der Kunde bestimmt den Preis, den er bezahlen will, und Gerd Schütte schlägt ein oder behält das Objekt zurück. Denn nicht um jeden beliebigen Preis ist ein Exponat zu haben, sondern zu Konditionen, die günstig sind, ohne den Wert des Werks, die Reputation des Künstlers oder die der Galerie zu beleidigen. “In der Regel haut der Preis hin“, denn der Besucher sichtet sein Schnäppchen und der Galerist freut sich über den freien Raum, der Platz macht für neue Kunst.


Und so passiert es, dass man beim Bestaunen der Ausstellung vergisst, dass man zu Besuch in der Galerie Gerd Schütte ist. Informelles, Narratives, Figuratives, expressive Farbe und ein wenig Art Brut gibt es zu bestaunen, all das, was man im klaren Stil des sonst konstruktiv abstrakten Programms nicht erwartet.


Aber gerade so, bei der Sichtung früher oder untypischer Arbeiten kann man bekannte Künstler neu entdecken. Horst Keinings große, hauchdünn gemalte Strukturbilder, “sie sind zu groß für die Räume der Galerie“, Thomas Kohls braune, erdige Landschaften oder Edgar Eubels frühe expressiv abstrakte Figuration. Daneben ein Wolfgang Bühler, der Acrylfarbe mit Pigmenten aufmischt, die silbrig grau glänzen oder matt auf der Leinwand stehen wie mit Asche gemalte schrundige Strukturen. Manfred Nipp zeigt gestische Pinselspuren, die im Spätwerk feine und unendliche Differenzung erfahren. Und Andrea Hold-Fernecks graue Gummibaumblätter? In der realen Spießigkeit sind kaum zu übertreffen und wuchern in der malerisch filigran wirkenden Fotografie zu bedrohlichen Naturwesen aus.

"DIE HUNDERTSIEBZIGSTE - Bilder aus mehr als 25 Jahren" bis 25.02.2012, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr. 4, di-fr 14.30-19.00, sa 11-17 Uhr

ab 10.3. Klaus Schneider

ab 2.3. Arbeiten aus der Sammlung im Kunstraum der Scheidschen Hallen in

Essen Kettwig

Dienstag, 20. Dezember 2011

Accrochage bei Ricarda Fox

Eine Accrochage, die stilvolle Präsentation von Bildern aus dem Bestand der Galerie, gibt es bei Ricarda Fox in Mühlheim zu sehen. Acht bekannte und fünf neue Positionen werden zu einer inhaltlich interessanten, ästhetisch ansprechenden Neuaufführung gebracht. Das Thema Natur und menschliche Figur zieht sich als buchstäblich roter Faden inhaltlich und im Farbverlauf durch die Schau. Neben der Auslotung medialer Möglichkeiten wird die menschliche Wahrnehmung thematisiert, ihre Prägung durch physiologische und psychologische Rezeptionsmuster. Spannend dabei ist die Kombination der unterschiedlichen Positionen im Gesamtprogramm der Galerie.

Einen Schwerpunkt bilden neue Arbeiten von Oliver Jordan, öl- und inhaltsschwere Nebel-, Meer und Flusslandschafen. Blattleere Bäume mit knorrigen Ästen biegen sich zum Wasser hin, Acker- und Erdfurchen wirken ausdrucksstark und aufgewühlt. Noch pastoser trägt die Fußmann-Schülerin Monika Taffet die Farbe auf. Sie schafft plastische Zentren im Bild, die, mit kräftigen Farbläufen kombiniert, eine eher positive Sicht der meist sommerlich wirkenden Landschaften betonen. Ähnlich sieht es die Mülheimer Künstlerin Vera Herzogenrath, die Landschaften zu ausdrucksstarken Farbflächen und festen Formationen zusammenfügt.

Setzen diese Künstler einen inneren Eindruck von Landschaft um, geht es bei Christian Hoffmann und Carsten Klein um die Wahrnehmung und Abstraktion des Motivs in den Medien Malerei und Fotografie. Hoffmann reduziert Natur auf Horizontlinien und materiell aufgeladene Flächenformationen, deren Energie der Betrachter aus der Malerei spüren kann. Von den eigenen erdigen Bildern hat er nun Fotografien gefertigt, die den Ausdruck der Ölbilder ins Kleinformat einer Dibond Platte bannen.

Anders geht Carsten Klein vor, indem er weite und typologisch komprimierte Landschaften in unbunter Farbe und trüb schimmerndem Licht fotografiert. Was der Betrachter wahrnimmt, sieht aus, als wollte es jeden Moment in der Dunkelheit verschwinden.

Auch die Ruff-Schülerin In Sook Kim setzt Fotografie malerisch ein: Frauen in Rückenansicht, weich und verschwommen, das Haar glänzend wie das von “Betty" in dem berühmten Gerhard Richter Bild.

Nicht übersehen darf man die beiden “Neuerwerbungen³ der Galerie, Andrea Küster und Aldo Cristofaros.

Die Düsseldorferin hat Anthurien gehasst, bis sie sich malerisch mit ihnen befasste. Ein wenig an Georgia O¹Keefe erinnern ihre gemalten Blow-Ups von Blättern und Pflanzenkelchen. Monumentalisiert in Farbe und Raum verfremdet sie die Details, bis der Eindruck pulsierender, plastisch transparenter Flächen entsteht, die die Vergänglichkeit der Flora im Bild fixieren.

Aldo Cristofaros Bilder, der in Italien geborene Künstler lebt in Berlin, sind seit seinem einschlagenden Erfolg in London knapp. Denn sie sind gut! Als “Sammler seiner visuellen und audiellen Umgebung³ bezeichnet er sich und malt mit kräftigen, stark verdünnten Farben audiovisuelle Psychogramme von Stadt und Natur. Farbe, Zeichnung, Form und Licht verbinden sich zu einem ebenso lichten wie stark konzentrierten Bild, das die widersprüchlichsten Empfindungen synästhetisch koordiniert. Man darf gespannt sein auf die Einzelausstellung im nächsten Jahr!

bis 25.2.2012, Ricarda Fox, MH, Liverpoolstraße 15, Di-Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr u.n.V.

Samstag, 17. Dezember 2011

Zwei zeitgenössische Klassiker

Zwei Künstler hat Frank Schlag in seiner Schau zusammengeführt. Joachim Czichon, den der Galerist seit 30 Jahren kennt, und Toon Teeken, der, in Holland sehr bekannt, auf dem deutschen Kunstmarkt noch unterrepräsentiert ist. Beide gehören der Generation Ü50 an und sind Klassiker, ein jeder auf seinem Gebiet.

Czichons dekorativ farbigen Arbeiten lieben die einen, andere gibt es, die finden sie konventionell. Den Gestus vom Informel, das Dripping von Pollock, dazu die Grundfarben eines Mondrian - heraus kommt eine abstrakt figurative Formenmixtur, die den Vergleich mit den Vorbildern der Klassischen Moderne nicht scheuen muss. Der in Carlsruhe, Polen, geborene Künstler entwickelt im Umgang mit der Klassischen Moderne eine eigene ästhetische Position, die sich zum positiven, hell und offen wirkenden Einsatz der bildnerischen Mittel bekennt.


Vor weißem Grund stehen Linien-, Farb- und Formgeflechte, durchdringen und überlagern sich, ohne ganz ineinander aufzugehen. Jedes der expressiven Elemente hat Raum auf dem in dieser Serie aufgelockerten weißen Grund. Linien und Drippingspuren behaupten ihre Eigenständigkeit. Auch die Grundfarben ergänzen, jedoch brechen sich nicht, so dass aus deren Mischung niemals ein Grün oder dumpfes Violett entsteht. Klar und harmonisch bedingt ein Element das andere in frei gewählter Autonomie.

Große Tableaus gibt es zu sehen und kleine, dazu seltene Keramikobjekte, die an der Staatlichen Majolikamanufaktur in Karlsruhe entstanden sind. An der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe hat der Künstler studiert.


Ganz anders, doch ebenso offen und positiv sind die Arbeiten von Toon Teekens gestrickt. Aus dicker schrundiger Ölfarbe schälen sich die Portraits, überzogen mit Mustern, Linien, spiegelverkehrten Schriftzügen. Gebrochene, z. T. pastellfarbige Töne dominieren die ausdrucksstarken Gesichter von Musikern, Dichtern, Künstlern, Philosophen. Dargestellt sind Personen, die jeder kennt, durch ihre bahnbrechenden Werke und nicht primär über ihre Physiognomie. Wer Celan kennt, denkt an die Todesfuge, bei Bonnard ist es die Farbe, bei Beckett vielleicht “Warten auf Godot“. Künstler, die den Künstler interessieren, stellt Teeken dar und verleiht ihnen ein z.T. unlesbares, jedoch charakterstarkes Gesicht. “Elliot Carter meets Igor Strawinsky“, ähnliches Outfit, andere Köpfe, gegensätzlich die Musik. Das Künstlerduo Gilbert & George, ihre strenge Disziplin und unbedingte Liebe zur Kunst werden über die typische Haltung und ihre karierte Anzüge charakterisiert. Es ist eine plastisch aufbauende Malerei und das Bild erhält Präsenz durch etwas, was zwischen den Farbmassen liegt: Die Aura der Figur und die Hand des Künstlers. Es ist seit 1991 als Dozent an der Akademie der bildenden Künste in Den Bosch tätig.

Bis 20.1.2012, Galerie Schlag, Meisenburgstraße 173,
di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Grützke bei Kiefer

Parallel zur großen Grützke Schau in Nürnberg stellt Klaus Kiefer den Berliner Künstler aus. Eine Ausstellung mit Öl- und vorwiegend grafischen Arbeiten ist hier in Essen zu sehen, die motiviert, die Reise ins Germanische Nationalmuseum anzutreten, wo das Gesamtwerk des Malers mit Malerei, Druckgrafik, Skulptur und Arbeiten aus  Literatur, Musik und Theater derzeit umfangreich dargestellt wird. Von 1992 bis 2002 hat Grützke in Nürnberg doziert.
Was die breite Öffentlichkeit derzeit zur Kenntnis nimmt, weiß Klaus Kiefer schon lange. Dass hinter dem sarkastischen Humor und lauten Auftritt der Bilder ein sensibler Künstler steckt, dessen clowneske Maskierung der Welt einen theatralischen Spiegel vorhält. Was man da sieht, gefällt einem nicht immer.
Wahrhaftigkeit lautet die oberste Maxime des quer denkenden Malerfürsten der "neuen Prächtigkeit". Mit dem Appell "rettet Euch aus der Kläglichkeit" wandten sich einige Berliner Maler im Januar 1973 an eine Öffentlichkeit, die feierlich im Bann der abstrakten Malerei stand, blind für einen Humor, der schonungslos und satirisch menschliche Laster attackiert.
Grützke ist ein Meister des Portraits, beliebtes Motiv ist er selbst. Nicht weil er schön oder eitel ist, sondern weil die eigene Person die Maskierung des Individuums so sichtbar macht. Er zeigt Rollenspiel und Gruppenzwang, gesellschaftliche Neurosen, private Regression. Eine Sittengeschichte der deutschen Gesellschaft tut sich da auf, Hauptakteur und Drahtzieher bleibt der Künstler in zahlreichen Einzel- und Gruppendarstellungen.
Doch seine Bilder, so bizarr und verstörend sie auch anmuten, formulieren keine Botschaften. "Denn Malerei ist Denken mit dem Pinsel und das Bild ein Abfallprodukt malender Forschungstätigkeit." Erfahrungen des Künstlers in der ihn "umgebenden kleinen Welt" bilden den Ausgangspunkt, "denn diese kleine steht stellvertretend die gesamte große und meine Person demzufolge für die aller Personen." Das Herzklopfen angesichts dessen, was er am Ende eines Malprozesses in seinen Bildern sieht, überfällt den Peter Jansen-Meisterschüler auch heute mit 72 Jahren noch.
bis 30.11., Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Str. 221, di-fr 11-18.30, sa 10-14 Uhr

Dienstag, 29. November 2011

Sightzeichen 2011

30 Künstler stellen 30 Bilder, eigens für die Ausstellung angefertigt aus. Neu ist neben der Vielfalt, die sich daraus ergibt, das kleine, man kann sagen handliche Format. Zur Mitnahme bereit, integriert es sich mit 50/50 cm fast überall. Die Form, das Quadrat, stellt eine geschlossene Einheit dar, nicht dynamisch wie der Kreis, sondern klar konturiert und in sich

geschlossen. Ein Format also, das ein präzises Statement erlaubt und einen, wenn auch kleinen Einblick in das Gesamtwerk der Künstler; in ihre Motive, Techniken und individuelle Sicht auf die Welt.


Auf zwei Wänden gehängt ergeben die unterschiedlichen Arbeiten ein stimmiges Bild, fast so, als hätten die Künstler kommuniziert. Das taten nicht sie, sondern die Bilder an der Wand entfalten einen eigenen Dialog aus Farbe, Form und Material.

Der Mensch und sein Tun stehen immer wieder im Zentrum, expressiv in den meisten, naturalistisch in einigen Bildern. Bei Max Uhlig, einem der renommiertesten Künstler der Galerie, schälen sich Gesichter aus einem linearen Netzwerk hervor, bei Kwang Sung Park aus diffusen Nebeln in Schwarz und Weiß oder bei Titus Lerner aus einem Gewirr farbiger Pinselschläge. Jörg Schirmer verzerrt die Proportionen seiner Figuren extrem. Extremitäten wie Hände oder Füße wachsen plastisch und mit feiner Ironie aus dem Bildgrund heraus, während bei anderen hier ausstellenden Künstlern eine ästhetisch idealisierte Überhöhung der Darstellung zu beobachten ist. Bei Ramon Lombarte halten sich Personen in atmosphärisch verdichteten Räumen auf, in symbolisch besetzten die Figuren von Peter Handel.

Andere Künstler wie Kirsten van den Bongaard malen Menschen, hier asiatischer Herkunft, auf weißem Dibond- Grund und stellen so die Frage nach der Relation von Malerei und Fotografie. So auch das Fotografenduo Frank Hohmann und Daniela Szczepanski, die Industriemonumente des Ruhrgebiets in malerische Lichteffekte tauchen, oder auch Siegrid Nienstedt, die ihre fotorealistischen Räume entleert und neben der Landschaft auch gerne Tiere thematisiert.

Folgende Aktivitäten der Galerie seien erwähnt:

- Teilnahme an der KIAF in Seoul und an der C.A.R. in Essen. Letzte war ein voller Erfolg und führt zu einer weiteren Zusammenarbeit.

- In Seoul wurde der Kontakt zu einer großen Galerie mit weiteren Projekten ausgebaut. Etwas außerhalb der Metropole in einer japanisch anmutenden Landschaft gelegen, nutzen viele Besucher die malerische Natur, um Kunst und Erholung in musealer Architektur zu genießen.

- Der Umzug in die Rüttenscheider Str. habe sich bewährt und u.a. zu mehr Besuchern mit Muße und Konzentration geführt.

Bis 7.1.2012, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr


BILDLANDSCHAFTEN

Seit seinem 5o.Geburtstag kreist Bühler malend um den Mythos Berg. Massiv und doch in der Detailschau fein geädert erheben sich Berge in seinen Bildräumen. Vor bläulichem Himmel behaupten sie unverrückbar ihre Stellung, mal als unbezwingbarer Monolith, mal als sanfter Bergrücken. Bisweilen sind Gipfel stimmungsvoll in Nebelschwaden getaucht, bisweilen kündigen Schneeverwehungen von eisigen Zonen.

Bühlers Berglandschaften sind jedoch weder Abbild, noch erinnernde Wiedergabe eines realen, eines bestimmbaren Ortes. Bühlers Berglandschaften bleiben Bild-Landschaften. Sie sind abstrakte Farb- und Strukturspielereien. Nur scheinbar behandeln sie einen konkreten Gegenstand. Sie sind eben nicht der Blick auf die rohe Natur, sondern Utopie. Der griechische Begriff Utopie bedeutet in der Übersetzung zunächst "Nirgendheim", in der Übertragung "Idealzustand". Wolfgang Bühler formuliert es so: " Das Bild selbst ist eine parallele Landschaft zur Landschaft der Welt und nicht deren Abbildung."

(Auszug aus Katalogtext 2011 von Dr. Anna Scherbaum)


Bis 30.12.2011, Galerie Schütte, Kettwig, Hauptstraße 4, di-fr 14.30-19, sa 12-14 Uhr

Eine opulente Schau

liefert der “kunstraum³ zum Ende eines erfolgreichen Jahres und zum Auftakt des 10-jährigen Bestehens der Galerie.
Zur Vernissage fuhr ein Shuttle vor und transportierte die zahlreich erschienenen Gäste zur “galerie goltz", der  dieses Jahr eröffneten zweiten Galerie auf der Huyssenallee. Antiquitäten und moderne Kunst bestimmen hier das Programm - in einem Ambiente, das mit erlesener Eleganz den puristischen Stil der Rüttenscheider Straße erweitert. Ausgefallene Sammlerstücke begegnen zeitgenössischen Arbeiten und entfalten in diesem Kontrast ihre Zeitlosigkeit. Jugendstil- und Art-Deco Lampen, Kostbarkeiten aus Porzellan, asiatische Terrakottafiguren oder barocke Holzschnitzereien ergänzen sich mit einer Selbstverständlichkeit, als hätten sie von jeher zusammengehört. Das liegt auch an der stilsicheren Hand des Galeristen, mit der er Historisches neu ordnet und in ungewohntem Kontext aktualisiert.
Ausdrucksstarke Malerei und malerisch inszenierte Fotografie mit einigen Skulpturen, dominieren die Räume aller drei Etagen in der Rüttenscheider Straße. Im Erdgeschoss hängen große museale Formate von Martin Herler, Ivo Lucas oder Matthias Köster, den aus langjähriger Zuammenarbeit bekannten und in Museen und großen Sammlungen arrivierten Künstlern der Galerie. Shooting-Stars wie Alpay Efe mit wunderbar komponierten ölfrischen Stillleben und Newcomer wie Isabel Friedrich mit ihren Urban Animals oder Martin Kurt Jäger begleiten sie. Dessen “Waschlappenportraits³ von Unportraitierbaren luden auf der Kölner Messe fast jeden Passanten zum Verweilen ein. Berlusconi, Gadaffi, Hitler, den Papst und Showgrößen wie Dieter Bohlen malt der Düsseldorfer Künstler in Öl auf 99 Cent pastellfarbigen Waschlappen. In der Ausstellung jetzt belegt er einmal mehr, dass er Ölfarbe und Spraydose beherrscht und auch im großen Format naturalistisch zum Einsatz bringt.
Vittorio Zambardis ovales Boxerportrait oder das von Amy Winehouse werden eine Etage höher kontrapunktiert mit den Arbeiten von Andreas Flügel, James Larsen oder den Fotografien jugendlich schräger Paradiesvögel von Wolfgang Kleber. Entstanden sind sie auf Streifzügen des Künstlers mit seinem Galeristen durch Paris.
34 Künstler vereint ergeben ein breites Bild der Gegenwart, von Menschen und ihren Begegnungen, ihren kleinen Schwächen und großen Stärken.
Folgende Aktivitäten seien erwähnt:
- Teilnahme an der C.A.R Essen und erstmalig an der Art Fair Köln
- großes Charity Projekt mit Martin Herler im Rahmen einer Benefizveranstaltung im Universitätsklinikum Essen
- Advents-Matineen in der “galerie goltz", Huyssenalle 85 am 27.11., 4., 11., 18. 12. 2011 mit handgefertigtem Künstlerschmuck von Anja Husmann, jeweils von 11-15 Uhr
- Ausstellungsvermittlung von Künstlern: Angela Schilling im Bayerischen Nationalmuseum München, Wolfgang Kleber in der Museumsnacht im Rathaus von Paris, Stefan Marienfeld im Museum Lemgo, James Larsen in der Kunsthalle der BASF, David Curtis: Malereiaktion mit der Schauspielerin Martin Gedeck
bis 28.1.2012, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr u.n.V.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Neue Malerei und rätselhafte Objekte in der Galerie Frank Schlag

Spannende und gegensätzliche Positionen aktueller Kunst, Malerei und Objekte, sind in der Galerie Schlag ausgestellt.
Tomomi Morishima, der junge Japaner, geboren in Paris, aufgewachsen in Hiroshima, studierte in Tokio und  Karlsruhe bei Helmut Dorner, er ist eine Neuentdeckung der Galerie.
Große Tableaus und ganz kleine Formate strahlen Farbe  aus, öffnen Bildräume, beziehen den Betrachter ein: mit Rückenfiguren, deren Blickrichtung man folgt, mit Rauminterferenzen, die man nicht zuordnen kann und geometrischen Konstruktionen, die Bildflächen verspannen.  Schleier, Tupfen, Flecken, Lasuren ziehen sich in taghellen lichten Tönen über das Bild und wirken wie abstrakte Übungen, besser gesagt wie eine Klaviatur, die der Künstler anschlägt, um daraus den Bildgegenstand aufzubauen: Figuren, Kinder, Erwachsene, die sich traumwandlerisch in der Natur bewegen und dabei ganz alltägliche Dinge tun. Schwimmen oder spazieren gehen, ins Gespräch vertieft sind. Dennoch hat man den Eindruck, die Szenerien fänden nicht statt, als seien sie des Betrachters Projektion. Zu luftig und fiktiv sind die Räume, die der Künstler mit Konstruktionslinien andeutet, aber inhaltlich architektonisch nicht definiert.
Morishima sagt dazu: “Es ist immer mein größter Ehrgeiz ein Bild zu schaffen, in dessen Bildraum der Betrachter hineintreten und darin spazieren gehen kann." Konkrete Festlegungen und Narrrationen meidet er, sondern schafft vielmehr deutungsoffene, doch bewusst komponierte Stimmungsräume.

Interpretationensoffen sind auch die gleichermaßen surrealen wie konkret lesbaren plastischen Chiffren des 1962 in den Niederlanden geboren Düsseldorfer Künstlers Adrian Schoormans. Auf runden flachen Sockeln, einer allseitig einsehbaren Experimentierbühne gleich, stehen schrundige anthropomorphe Figuren, eine Mischung aus Monster, Mensch und Natur. In verschiedenen existenziellen Situationen stehen sie da wie ein aus der Natur gefallenes und sich die Natur anverwandelndes Wesen. Blätter kahler Bäume bilden die Kleidung, ein anderes nährt sich von einem Stamm, jedoch sind die natürlichen Kreisläufe unterbrochen und ausgedorrt.

Künstlich und ästhetisch kühl wirken die perfekt inszenierten Materialien und metallischen Farben, die Symbole abgrenzen und sie unverbrüchlich in die Gesamtaussage einbinden. Alle Arbeiten thematisieren die Manipulation des Menschen, der eigenen Natur und der fremden, ein roter Faden, der sich auch durch sein artifiziell wirkendes zeichnerisches Werk zieht. Kaum zu glauben ist, dass die technisch virtuos konstruierten Zeichnungen mediale Vorlagen zum Anlass nehmen, um daraus verfremdete, an Computer-Grafiken erinnernde erzählerische Collagen zu formulieren.

Galerie Frank Schlag, bis 2.12.2011, Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa. 11-16 Uhr

28. - 30.10.2011 C.A.R. contemporary art ruhr, Zeche Zollverein Essen, Halle 5 (gezeigt werden: Tim Beeby, Franck Gohier, Andrea C. Hoffer, Bitgit Klerch, Terry Taylor, Johannes Vetter, Zhong Biao)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Der Galerist als Regisseur

Wieder einmal inszeniert Colmar Schulte-Goltz eine perfekte Eröffnungsschau. Interessant zu beobachten ist, wie präzise die Dinge ineinander greifen, wenn man Interessen und eigene Präferenzen unbeirrt verfolgt. Das taten beide, der Galerist und der Künstler. Rhetorisch geschliffen, mit Humor und Fachwissen gespickt präsentiert der Galerist einen hochbegabten jungen Künstler, und zwar so, dass dessen Arbeiten zu noch moderaten Preisen kurz nach der Eröffnung fast ausverkauft sind. Ein Erfolg, den Alpay Efe sich wohl kaum träumen ließ, und den man ihm, dem unprätentiösen Schüler von Markus Lüpertz und Katharina Grosse, nur allzu gern gönnt. Aufrichtig klingt das Understatement des 24-Jährigen, wenn er sagt, er habe schließlich nur das getan, was er konnte, das sei malen, und er hoffe, es sei gut.
Augentäuschend und technisch versiert, inhaltlich in der Balance zwischen kunsthistorischem Rückgriff und zeitgenössischer  Aktualität präsentiert er seine in Öl auf Holzgrund gemalten Bilder. Originell geben sie sich in der Kombination vermeintlich nicht zusammengehöriger Bildgegenstände, sinnlich opulent, wenn sie halb enthüllte Damen und verführerische, genauer gesagt verführte junge Männer zeigen. Denn sein “Odysseus³ von heute  hat gegen die Übermacht blonder Sirenen kaum eine Chance. Zu eindeutig ist die Dominanz der Damen, die lässig  in sich ruhen, mit Reizen nicht geizen, ohne sie offensiv in Pose zu setzen. In beiläufigen Szenen präsentieren sie sich, in Dessous, Straßenkleidung, im Pelz oder mit einem Manga bedruckten Tuch verhüllt neben zerzaustem Bett.
Ob man deswegen ernsthaft an das Erwachen der Psyche, Kassandra und das goldene Vlies denken muss, so suggerieren es die Titel, ist eine andere Frage. Kunsthistorisch auftragen müsste der Künstler nicht, um seine Figuren mit Bedeutung zu versehen. Denkbar vielmehr ist, dass Alpay Efe, der sich auch auf Comics versteht, die Fetischisierung von Gebrauchswerten ironisiert, wenn er die junge Asiatin nackt unter einem edlen Pelzmantel zeigt. Denn das goldene Vlies war ursprünglich nichts als ein dichtwolliges Schaffell, das die Bewohner von Kolchis ins Wasser hielten, damit sich daran der Goldstaub fängt.
In Lederjacke und Captain America T-Shirt stellt sich Efe vor einer Spiegelwand dar. Grünes Farblicht umfließt das Selbstportrait und verleiht ihm wie auch den anderen Motiven seiner Kunst eine einladend fremdartige Aura.

bis 12.11.2011, kunstraum schulte-goltz und noelte, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr,  Rüttenscheider Str. 56
28.10. - 01.11 ART.FAIR 21 /Staatenhaus am Rheinpark, Köln
28.10. - 30.10. C.A.R. contemporary art ruhr, Zeche Zollverein Essen

Dienstag, 25. Oktober 2011

Neues von Ricarda Fox

Zwei Ausstellungen werden in den Galerien von Ricarda Fox gezeigt. In der Kreuzeskirchstraße stellt sich die Fotografieklasse von Thomas Zika vor, in Mühlheim der Kölner Künstler Oliver Jordans.
"Obstructions", Widerstände, sind das Thema, mit dem sich die Studenten in einem Worhshop in Oostende ein Wochenende lang beschäftigten. Jeder bekam eine persönliche Themenstellung, eine Herausforderung entsprechend dem künstlerischen Entwicklungsstand und der inneren Voraussetzungen, ein individuelles Thema als “konstruktive Verwirrmethode zur Erweiterung der Kreativität³ zu nutzen. Routine sollte ausgehebelt, Grenzen überwunden werden, um zu neuen Bildfindungen zu gelangen. Es ging darum, den “eigenen blinden Fleck³ zu erkennen, wenn möglich zu formulieren, ohne daran zu scheitern, aber auch dies sei eine “Grundvoraussetzung künstlerischen Gelingens³, so der experimentierfreudige Dozent der “Freien Akademie der Bildenden Künste Essen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Unterschiedliche Arbeiten von abstrakt bis figurativ, von rätselhaft mysteriös bis alltäglich in den unterschiedlichsten Techniken. Cyanotypien, Pigmentdrucke, eingelegt in Blut, Wein oder Milch, Fotografien auf Keramik oder Aludibond, digital die meisten, einige auch analog in vorwiegend kleinen Größen zu erschwinglichen Preisen. Die meisten sind in der Stimmung nachdenklich, einige nostalisch, andere zu Chiffren verdichtet.
Sarah Bleckmann, Evelyn Burs, Johannes Dreuw, Tanja Fliege, Mario Curado Sulo, Ole-Kristian Heyer, Chiara Nardini, Eva Krebel, Roland Regner, Britta Ries-Drygall stellen aus.
Ricarda Fox, Kreuzeskirchstraße 29, Mi 15-19, Sa u. So 12-18 u.n.V., 0208-3787734
OLIVER JORDAN NEUE LANDSCHAFT UND PORTRAITS
Oliver Jordan ist aus seinem Atelier in der Bretagne zurück mit ölschweren Bilder im Gepäck, die ölfrisch riechen, als seien sie gestern fertiggestellt. Doch so jung sind sie nicht, denn es braucht Zeit, bis die zentimeterdicken pastosen Farbschlieren getrocknet sind.  Bekannte Themen mit neuen Motiven und einer leicht veränderten Sicht auf die Welt sind zu sehen, die, stimmig mit älteren Arbeiten kombiniert, ein neues Licht werfen auf das expressive Werk eines ausdrucksstarken Künstlers.


Schwere, wolkenverhangene  Strand- und karge Winterlandschaften, menschenleere, mediterran wirkende Panoramen mit malerischen Architekturen, raue Industriebrachen aus seiner “Heimat³, dem Ruhrgebiet, dazu farbintensive und linienstarke Portraits, gemalt und gezeichnet. Bekannte von Pop- und Bluesgrößen wie Bob Dylan sind dabei, aber auch neue, von Amy Winehouse und andere noch nicht gezeigte Arbeiten aus des Künstlers Kölner Atelier.
Alle Bilder, auch die positiv klingenden, stark farbigen vom Land und aus der Kleinstadt tragen den unvergesslichen Jordan Blues: diese melancholisch schwermütige Stimmung, die in ihrer Gebrochenheit niemals ins Depressive entgleitet, weil sie dafür zu widerständig und wehrhaft ist. Eine Stimmung, die Vergänglichkeit in der Natur und der Existenz des Menschen zeigt, Abgründiges greifbar und Hintergründiges sinnlich erfahrbar macht. Ein Blues klingt an, dem man sich getrost überlassen kann, weil er ganz irdisch und substanziell verhaftet bleibt, auch wenn die Oberfläche Spuren des Lebens zeigt. Im Gesicht von Amy Winehouse, die früh verstorben und nachhaltig zur Ikone reift oder einer regenschweren Landschaft, die vom Unwetter heimgesucht im Grau versinkt.
Bis 25.11., Ricarda Fox Mülheim, Liverpoolstraße 15, di-fr 15-19, sa 12-16 Uhr u.n.V., 0208-3787734

Freitag, 30. September 2011

Farbe-Raum-Konzept & Fotografie

Den zweiten Teil seiner 25-jährigen Jubiläumsschau präsentiert Gerd Schütte jetzt. Nach der Malerei werden 13 Positionen konzeptioneller Fotografie vorgestellt, mit Künstlern der Galerie, die das Medium schon immer und ausschließlich verfolgten und jenen, die es einsetzen, um die Fotografie parallel zu anderen Darstellungsmitteln zu erproben. Allen gemeinsam ist das Bemühen, neue Aufnahme-, Entwicklungs- und Printtechniken, konzeptionell, abstrakt oder figurativ für die eigene künstlerische Aussage nutzbar zu machen.
Zu sehen gibt es ein großes visuelles Irritationspotential! Keine Position bildet ab, was sie meint, keine Fotografie, ist zu entschlüsseln als das, was sie darstellt. Jede Künstlerin, jeder Künstler erfindet die Wirklichkeit neu, inszeniert, arrangiert, konstruiert Bildgegenstände, Räume und Flächen mit den Mitteln der Fotografie - so  unabhängig von der Wirklichkeit, wie die Malerei es immer tat. Fotografie profiliert sich dabei als anderes, technisches, aber im Innovationsgehalt als ein der Malerei gleichberechtigtes Medium.
Auch bei dieser Schau hat der Galerist mit den Künstlern gemeinsam die Hängung erstellt, so dass jedes Bild, so unterschiedlich sie auch sind, einen eigenständigen Wirkungsraum im Diskurs mit anderen Positionen erhält. Ein schlüssiges, stimmiges Konzept ergibt sich so, inhaltlich und im Arrangement der Ausstellung.
Gerda Schlembach, Martin Bürger, Klaus Schneider, Alke Reeh, Roland Geissel, Laura Ribero, Thomas Hanappel, Wiebke Elzel/Jana Müller, Oster/Koezle, Nina Brauhauser, Siegfried G. Koezle, Sebastian Fritsch, Eberhard Ross stellen aus, jeder ein Werk in übersichtlich klarer Ordnung.
Was es zu sehen gibt? Historische, private, imaginierte und konstruierte Räume, Rauminterventionen, Flächenräume, Vexierbilder. Zeit, Konstanz und Vergängnis werden thematisiert sowie Ordnung und Form in strukturellen Systemen, den organischen, gesellschaftlichen und digitalen.
bis 22.10., Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstr. 4, di-fr 14.30-19.00, sa 11-17 Uhr

Mittwoch, 28. September 2011

Flüchtige Passanten und Monumente der Industriekultur


In neuen Ausstellungsräumen auf der Rüttenscheider Straße, transparent, klar strukturiert und einsehbar, präsentiert die Galerie Klose “night and day³, eine Ausstellung zum Thema Mensch und Stadt, in der jedes der fotorealistischen Bilder und jede der vorgestellten Fotografien Architektur und ihre Bewohner als getrennt voneinander definiert.
Kirsten van den Boogard beobachtet Menschen in alltäglichen Situationen, beim Hasten, Promenieren, Verweilen, in der Freizeit, beim Gang ins Büro, in offenen und undefinierten Räumen. Auf glänzenden weißen und schwarzen Dibondtafeln stellt sie Personen dar, in Rückenansicht zum Betrachter, der die Tätigkeit und Bewegung der Protagonisten verfolgt. - Eine junge Frau auf dem Weg ins Theater, eine andere, die ihren Hund ausführt, Jugendliche im Rapper-Stil, die sitzen, schauen, warten. Über die Kleidung schließt der Betrachter auf Status und Alter, über die Tätigkeit der Figuren, auf den öffentlichen Raum - der Platz lässt zum Verweilen oder  Menschen in den Strom städtischer Umgebung zwingt. Die anonymisierten Figuren werden zu Stellvertretern: für das Flüchtige, Unauffällige, im Alltag nicht Wahrgenommene, zu liebens- und bemerkenswerten Zeichen für das, was einem in der Routine entgeht.
Die geborene Hamburgerin über ihr Werk: “ In unserer visuellen Welt bleibt zwischen Sensation und Katastrophe wenig Raum für den alltäglichen Moment. Deshalb beobachte, sammle und dokumentiere ich menschliche Augenblicke. Die Malerei funktioniert als Filter, die so gewonnene Essenz stellt das echte Leben zur Schau,³ also das, was es zu bewahren gilt.
Im Gegensatz dazu sind die Arbeiten des Fotografenduos Frank Hohmann und Daniela Szczepanski menschenleer. “Aufnachtschicht³, so der Titel der Objekte, zeigt in Licht und Farbe monumentalisiert, Industrie- und Architekturobjekte des Ruhrgebiets: einen Kühlturm aus dem Steinwerk von Thyssen Krupp in Duisburg, einen Baum aus dem Garten der Villa Hügel oder den Erzbunker der Henrichshütte in Hattingen. Die vermeintlich vertrauten Motive wirken fremd und schön, wie Ikonen einer Industriekultur, die abgedankt hat.
Bis 17.10.2011, Galerie Klose, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr, Rüttenscheider Straße 221  

Samstag, 24. September 2011

Buddha und die Affen ... die Ruhe und das Toben im Werk des chinesischen Künstlers Zhu Xianwei


Ist das Denken ein wilder Affe und Buddha die Erleuchtung, so sind dieseBilder die Gedanken eines respektlosen Zen-Schülers über die Welt.

Zhu Xianwei greift das Ideal der Leere auf, um es mit Assoziationen zu füllen: pop-artige Traumfragmente aus der Kindertagen, poetische Sehnsuchtsphantasie und irdischer Wirklichkeitssinn gehen Verbindungen ein mit Zitaten aus der chinesischen und europäischen Kunst und werden aufgemischt zu einer expressiv surrealen Bildsprache der unverkennbar eigenen Art. Logik, Kausalität, Anfang und Ende? Der Weg zum Berg der Erleuchtung ist weit. - Also ist der Weg das Ziel und die Gesetze der Welt
werden im Werk des chinesischen Künstlers auf wunderbare Weise von ihrer Schwerkraft befreit.

Aus Grauschleiern tauchen wie Kobolde farbige Motive auf. Wie die Affen im Bild taumelt der Betrachter davor durch die Zeit, besteigt den Berg der Erkenntnis und stürzt die Klippe zur Wirklichkeit hinab, verfolgt von einem visuell visionären Erinnerungsschub. Ein Affenhaupt mit Krawatte, ein Jackett ohne Herr, ein feister Buddha, ein Panzer, Berge, Landschaften mit Spielzeugautos, dazu Gewehrkolben, die ballern, Kanonen, die schweigen, Kampfflieger und Mickey Maus inszeniert als Revolvermann. Dazwischen eine Rose, ein Fernrohr, ein Esel, eine schlafende Katze oder ein verdorrter Baum, an dem eine Damenhandtasche hängt. Schwindel erregend ist die Fülle der Motive, ohne jemals das Bild zu überfrachten.

Wer will, kann die Bilder lesen: als Persiflage, als Geschichte, Phantasie oder Albtraum der Gegenwart. Man kann barocke Kompositionen erkunden und die Logik der Symbole rational fundieren. Wer so verfährt, stößt schnell an die Grenzen der eigenen Denkeskapaden. Wer das nicht will, geht einen anderen Weg: Er genießt die Bilder, die Farben, die dissonant synchronisierten Gedankenfetzen und den Humor, mit dem man sie in satter Malweise vorgeworfen bekommt. Hingehen und genießen!

Bis 9.9.2011, kunst-raum Schulte-Goltz und Noelte, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr, Rüttenscheider Str. 56

Parallel findet in den Scheid¹schen Hallen in Kettwig eine Ausstellung mit japanischen Portraits des Fotografen Wolfgang Kleber statt und in der Galerie in der Huyssenallee 85 zeitgenössische Malerei und Art Deco.