Freitag, 27. Februar 2009

Allem Anschein nach

Neue Bilder von Johannes Heisig gibt es in der Galerie KK zu sehen, materialintensive, farbgewaltige, vor religiös mythologischen Anspielungen strotzende, ausdrucksstarke Arbeiten, für die man gebührenden Abstand braucht: um die sich aus dem Farbsumpf schälenden Motive zu dechiffrieren/entziffern. Distanz braucht es auch, um die symbolischen Kodierungen zu entschlüsseln, die der Maler seinen dem Alltag entnommen Motiven unterlegt. “Ich will kommunizieren, ich suche ein Gegenüber, wenn ich male", erklärt der 1953 in Leibzig geborene, heute in Berlin lebende Künstler, der den Dialog oft auch in Selbstportraits sucht, zweifelnd, fragend, forschend das malende Selbst im Gegenüber oder in der Tradition des deutschen Expressionismus verortet. In klassischer Pose eines Max Beckmann, eines Kirchner oder van Gogh, als Maler mit Modell und als Gekreuzigter stellt er sich mit heftigen Pinselschlägen dar.

Farblodernde Landschaften, Stillleben, Portraits, zu Historien- und Sinnbildern ausgearbeitete Stadtdarstellungen der Gegenwart, Szenen aus dem Leben im Hinterhof der Berliner Mitte, vom Mauersprung, zum Mauerfall bis zur Love-Parade, daneben die heilige Familie in bühnenreifem Format. Erstaunlich dabei ist nicht nur die technische Meisterschaft im fast altmeisterlichen Umgang mit Farbe übertragen auf zeitgenössische Expression: Bis zum Äußersten deformiert reichen sparsam gesetzte figurative Zeichen, um den Dargestellten als Maler, einen geschundenen Leib als Korpus Christi, eine Häuserschlacht als Leidensweg oder die Love-Parade als modernen Sündenfall zu verstehen. Hell-Dunkel Modulation in trüben Farbakkorden mit Neonfarben aufgemischt bekommen einen schrill schrägen zeitgenössischen Klang.

Erstaunlich ist bei Heisigs Malweise ist auch, in welch authentischer Weise der Traditionalist Traditionen aktualisiert. Hierbei, so verrät der aus dem Schatten des großen Vaters herausgetretene, hart geschulte Malersohn, waren Zeit und politisches Umfeld in der DDR der frühen 80er Jahre hilfreich. Das System kriselte bis zum finalen Bruch, eine Zeit, in der man sich relativ geschützt fühlen konnte, vor bespitzelnden Eingriffen des Staates. "Da die malende Szene schon im Westen genauestens beobachtet wurde."

Stationen: 1953 in Leipzig geboren, 1971-73 Biologiestudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1973-77 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Diplom, 1974-1979 Lehre in der Werkstatt des Vaters Bernhard Heisig, 1978-80 Meisterschüler bei Gerhard Kettner an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, seit 1980 dort Lehrtätigkeit, 1988 Berufung zum ordentlichen Professor, 1989 Wahl zum Rektor der HfBK, 1991 Aufgabe der Lehrtätigkeit, seitdem freischaffend, 2000 Übersiedlung nach Berlin
Arbeiten vertreten in Galerien und Museen

Bis 4.4.09, Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Straße, di-fr 11-18.30, sa 11-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen