Freitag, 27. Februar 2009

Fotografie gemalt mit der Kamera, "die eigentlich nichts kann"...


...könnte das künstlerische Programm von Helge Emmaneel lakonisch lauten.
Mondsüchtige Moorlandschaften, das viel besungene 400-farbige Grün, der Klee, mit dem St. Patrick die Insel gesegnet hat, dazu tiefgründiges Blau - solche Projektionen und Sehnsüchte, Klischees, die manchmal auch Wahrheiten sind, werden Sie auf den irischen Fotografien des in Hamburg lebenden Künstlers Helge Emmaneel garantiert nicht finden.

Dennoch werden in diesen wie gemalt wirkenden Fotografien Sehnsüchte formuliert, denn "die Betrachtung der Natur", so der Künstler "löst Emotionen aus". Und so ist "jede Landschaft Projektionsfläche, die im Urlaubskatalog und die in der Kunst." Doch was genau der Betrachter in der Landschaft sehen mag, ob er sie als geordnetes Abbild der Schöpfung oder als blühendes Chaos erlebt, ist abhängig von dem, der sie betrachtet oder durchstreift. Und immer von den gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit, die unseren Umgang mit Landschaft prägen.

Dass der in Essen geborene, in Bochum aufgewachsene Künstler Kunstgeschichte studiert hat, merkt man seinen wie gemalt wirkenden Fotografien an: denn die utopischen Verfremdungen, die er seinen Aufnahmen unterlegt, spielen mit idealisierenden Auffassungen von Landschaftsmalerei, der eines Koch oder C.D.Friedrich ebenso wie mit den Assoziationen der Besucher. Nichts Genaues erkennt man in diesen mehrfach belichteten Fotografien, kein Baum, kein Strauch, kaum Menschen tauchen auf, sondern schemenhaft breiten sich verschwommen daliegende Landschaften in der Ferne aus oder türmen sich unversehens im Vordergrund als braune Bergkulisse auf.

Von perfekt ausgeleuchteten Motiven und scharf gestellten Perspektiven hält der 39-Jährige nicht viel, “das ist zu langweilig, ich will weg von der Realität". Und so pflegt er einen poetischen Umgang mit dem Medium Fotografie und verzichtet auf detailgetreue Präzision. Mit seiner alten Agfa Klick, der “Kamera die im Prinzip nichts kann", mit abgelaufenen Filmen, deren Farbe das Bild braun, grau, grün verfälscht, bewegt er die Kamera im Moment des Auslösens, belichtet lange und manch ein Motiv doppelt, tut also professionell all das, was jeder Profi scheut. Doch darin gerade liegt der Reiz dieser Bilder, die Emmaneel Reiseerlebnissen ebneso wie einem Konzept von Landschaft entnimmt. Nur so, durch Zufalls Hilfe und kunstvolle Beherrschung der Technik entstehen romantisch aufgeladene Stimmungen, die man anders nicht fotografieren kann. Wo sonst können Sie die Insel Amrum so einsam, so einladend, so von mystisch weißem Licht beschienen sehen wie in dieser Fotografie?

Bis 4. 4. 09, GAM, Galerie Obrist am Museum, Kahrstraße 59, di-fr 12-19, sa
10-18 Uhr

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