Freitag, 27. Februar 2009

Sean Scully - Maler von Gittern und Streifen

Das Duisburger Museum Küppersmühle zeigt über 60 Werke von Sean Scully, thematisch und nach Werkgruppen gegliedert.
1945 in Dublin geboren, in einem Londoner Arbeitervorort aufgewachsen, ausgewandert in die USA lebt Sean Scully vorwiegend in New York, der Stadt, in der europäische Tradition gepaart mit dem Willen zur Freiheit mehr als sonst wo in der Welt zu spüren ist. Oder er hält sich in München auf, wo er seit 2002 an der Kunstakademie Malerei unterrichtet. Anerkennung und Erfolg seines von der europäischen Moderne, von Matisse, Klee, Kandinsky beeinflussten Schaffens wurden ihm zuerst in der neuen Welt und dann in Europa zuteil. 2006 zeigte das Metropolitan Museum of Art die erste Retrospektive seiner geometrisch abstrakten Kunst.

"Ich bin katholisch, liebe den Rauch, den Mystizismus", sagt der Künstler über sich, bekannt geworden ist er durch ein klar komponiertes künstlerisches Programm. Durch strenge Streifen, Balken und geometrisch gerasterte Farbfelder hindurch will Sean Scully erzählen von der Wirkung der Malerei und der Kraft der Farbe, die er in trüben Mischungen bricht. Rauchiges Graublau, erdiges Kupferoxidbraun, hellbraun gebrochenes Safrangelb-, tintiges Schwarz-Braun bestimmen horizontal und vertikal geschichtet das Programm: Ein Gittersystem aus vibrierenden Flächen, die den Duktus aus Künstlers Hand sichtbar machen und dem Farbmaterial doch Raum zum Atmen lassen. Durch den Grund der oft unbearbeiteten Leinwand, durch die fließenden, unregelmäßigen Farbränder, durch emotional eingefärbte Farbkontraste hindurch.

Klar ist: der europäisch amerikanische irische Streifenmaler lässt sich in kein kunstgeschichtliches Kästchen stecken: Minimalismus, expressive europäische Bildtradition und amerikanische Farbfeldmalerei gehen zwanglos eine Verbindung ein. Wer Zugang zu seinen Bildern finden will, muss sich einlassen auf das, was sie auslösen: Unverständnis oder die Tendenz zum Assoziieren, ein Grund mehr vielleicht, warum die Ausstellung mit 60 abstrakten Werken im Duisburger Museum Küppersmühle den sehr konkreten Titel "Konstantinopel oder die versteckte Sinnlichkeit" trägt? Denn der 63-jährige Künstler will "der abstrakten Malerei die emotionale und spirituelle Kraft wiedergeben, die ihr während des coolen Jahrzehnts des Minimalismus abhanden gekommen ist". Titel wie "Darkness", "Happy Days" oder "Heat" unterstützen das erzählerische Moment, das Sinnlichkeit einfangen und Geschichten auslösen will.

"Meine Bilder erzählen von Beziehungen", sagt Scully über sein Werk, "wie Körper zusammenkommen, wie sie sich berühren, sich trennen. Wie sie zusammenleben in Harmonie und in Disharmonie. Der Charakter dieser Körper verändert sich ständig in meiner Arbeit, abhängig von der Farbe, der Opazität und Transparenz der Oberfläche. Das alles verleiht ihnen ihre Eigenart, ihr Wesen. Der Rand definiert die Beziehung zum benachbarten Körper, er setzt sie in einen Kontext. Meine Bilder wollen Geschichten erzählen, die ein abstraktes Gegenstück zu dem Auf und Ab menschlicher Beziehungen sind. Sie wollen erzählen, wie es möglich ist, sich als Mensch in diesem Geflecht zu entwickeln."

Bis 3. 5. 09, Museum Küppermühle Duisburg, mi 14-18, do, sa, so 11-18 Uhr, 15 Euro kostet der Katalog.

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