Mittwoch, 11. März 2009

The day after

“Nach der Party ist vor der Party" heißt es gemeinhin, doch dieser “day after"­ der Leser möge den inflationären Wortgebrauch  übersehen- könnte auch der letzte sein. Zerschlagen mit zerflossenem Make-Up, mit Lippenstift- und blutrotem Mund liegen sie da, ausgepowert, leer, bewegungslos, mit schwarz gerändertem Blick. Es ist der Morgen, den man nach der Feier nun wirklich nicht mag, und dieser hier scheint noch dazu besonders schlimm. Junge Frauen und Männer um die 30 vielleicht, in einer Ecke kauernd, in einem blau gefliesten Bad oder auf dem Boden mit hochschwangerem, entblößtem Bauch.

Nicht unbedingt schön, aber auch nicht tragisch, muten diese Bilder an, denn dafür sind sie zu sorgfältig aufgebaut, zu cool und auf Wirkung durch einen Betrachter bedacht, der frontal konfrontiert an diesem Geschehen teilnehmen soll. Zum Erschrecken sind sie zu schön, zum Mitleid nicht tragisch genug, denn weniger koksen, trinken und feiern könnte für diese Party People die Lösung sein, deren Bilder blumige Titel tragen: “Goldene Wunden 11", “Goldene Wunden 13", “Nachdem ich ausgegangen bin", “der Computermann".

Die 1980 geborene Künstlerin Kathrin Landa entnimmt die Motive ihrer trockenen, z.T. stumpfen, fotoscharf gestellten Ölmalerei ihrer unmittelbaren Umgebung. Freunde, Bekannte, manchmal Fremde dienen ihr als Modell, Menschen, zu denen sie im Malprozess eine Beziehung aufbaut, und nicht das anonyme Abbild eines Hochglanz-Magazins oder eine zufällig gefundene Fotografie. Es scheint, dass die in Leipzig bei Annette Schröter studierende Meisterschülerin nicht nur zum Modell, sondern auch zu sich selbst, zu ihrer Generation eine Beziehung aufbaut. Die Abgebildeten, sind hübsch, szenig, individuell, ein Abbild jener kreativen, hoch begabten Elite, die weder Job, noch Einstellung, noch zukunftssichere Perspektive hat. Tragisch daran ist, dass man sie zwar malen, aber auf der gesellschaftlichen Karriereleiter vermutlich nicht unterbringen kann. Generation lost?

bis 30. 3. 08, Galerie Jürgen Kalthoff, Sabinastraße 1, do-fr 10-18, sa
10-13 Uhr

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