Donnerstag, 26. März 2009

Gib mir die Linie, ich male das Bild...

...mögen sie sich ernsthaft scherzend provoziert haben, um die Wette in die Tat umzusetzen mit einem Resultat, das es in der abstrakt geometrischen Kunst so noch nicht gegeben hat. Und das sich sehen lassen kann!

Zu besichtigen sind die blind, aber dennoch im Team gemalten, geklebten, gezeichneten Blätter des Briten Trevor Sutton und des Österreichers Ferdinand Penker in der Galerie Schütte in Essen-Kettwig. 40 Arbeiten gleichen Formats in gleicher Rahmung sind es geworden, gehängt nach Gefühl, einzeln oder im Block, regelmäßig, unregelmäßig, doch immer im Rythmus und Takt. So wie sie sind diese kleinformatigen Kunststücke, wovon jedes sich selbst und dennoch einer unsichtbaren Hand gehorcht, die Unterschiedliches zusammenfügt in Harmonie, Ausgewogenheit und Maß. Wie eine Sinfonie, eine Partitur oder ein Kammerstück, die Freiheit im Gleichklang, Überschwang durch Ordnung erzielen.

So locker, leicht und stimmig die zartfarbigen, aus wenigen Linien organisierten Arbeiten dort an der Wand hängen, ist die Idee zur Ausstellung entstanden. Ein Bekannter stellte dem Galeristen den Künstler vor, der wusste von nichts, jener war nachhaltig interessiert, alle verloren sich aus den Augen bis Penker inkognito die Kettwiger Galerie betrat, eine ihm fremde Ausstellung besah und zufällig von dem Projekt mit seinem irischen Künstlerfreund Sutton erzählte: 40 Blätter wurden getauscht, 20 wurden zuvor von jedem Künstler mit einem Auftakt versehen. Sutton malte Farbfeldmaler von Hand, ca. 2-3cm breit frei schwingende, pulsierende, farbige Streifen, wohingegen Penker mit Blei- und Buntstift Klebebandstreifen mit Lineaturen versah. Die fixierte er kreuz und quer, rechtwinklig oder diagonal auf dem Blatt, als Auftakt oder Reaktion, je nachdem, bei wem der Matchpoint lag. Doch von Wettkampf wollen beide nichts hören, anders als die Künstler Arnulf Rainer und Dieter Roth. Während diese sich wechselseitig zu übertrumpfen suchten, zielen Penker und Sutton auf Gleichklang mit äußerst sparsamen, doch differierenden Mitteln ab. Komposition und Kombination, Einfühlung, Farb- und Liniengespür kennzeichnen jedes einzelne Blatt.

Bis 9. Mai, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstraße 7, di-fr
14.30-19.00, sa 11-14 Uhr

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