Mittwoch, 18. März 2009

Jim Rakete Schau in Oberhausen

Er hat sie alle gehabt, die Shooting-Stars, Promis und Sternchen: Schauspieler, Rock-Stars, Sportler, Politiker, Mannequins, Journalisten, Künstler haben für ihn posiert in langen Sessions vor der schweren Plattenkamera, ein frühgeschichtliches fotografisches Gerät, das Zeit braucht für ein gelungenes Bild in der passenden, die Person charakterisierenden Szenerie: “Um am Ende des Silberzeitalters noch einmal das Personal der Republik und die Protagonisten unseres Landes abzulichten", so der 1951 in Berlin geborene Künstler, der nicht nur als Deutschlands prominentster Promi-Fotograf gilt, sondern sich auch als Musikmanager von Nina Hagen, Nena, den Ärzten und fotografiegeschichtlicher Theoretiker einen Namen gemacht hat, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Los Angeles, wo er in den 80ern lebte, als es ihm in Berlin zu eng wurde.
Jeder kennt diese klassischen Schwarz-Weiß Portraits: Richard von Weizäcker, Willi Brandt, Helmut Schmidt, Angela Merkel, Walter Steinmeier, der sie sehr schätzt, Ulrich Mühe, Jörg Immendorff, Peter Lindbergh, Otto Sander, Fassbender, Nadja Auermann, Katharina Thalbach, Annette Humpe, Juli, Silbermond.....die Reihe lässt sich fortsetzen.

Was will er von diesen Menschen, die jeder kennt, die zur Genüge abgelichtet sind?
“Die glaubwürdige Belichtung einer Persönlichkeit" im Achtelsekundentakt. Er nennt sie den “Wimpernschlag der klassischen Fotografie" diese unendlich lange Verschlusszeit der Linse mit einer altertümlich langen Belichtungszeit, die er kalkuliert denn wie einen Vertrag mit dem Portraitierten, um die Zeit anzuhalten “in dem unzeitgemäßen Glauben, dass die Energie des Moments auf den Film laufen möge". Wenn dann nichts passiert, wenn der Portraitierte nicht wackelt und die fotografische Situation keinen unvorhergesehenen Schatten produziert, dann tritt die Welt in weichen Konturen versunken in den Hintergrund und der Protagonist aus der Umgebung hervor. Was zählt ist der Mensch gegenüber, die wahrhaftige Nähe im
Moment und “ein Bild, was bleibt, keine Farbe, keine Mode, keine Zeit, sondern der Augenblick einer Situation, in der man die Begegnung hatte, der Mensch wie er wirklich ist". Das Gefühl einen Menschen erkannt zu haben, ungeschminkt, unverstellt, auch wenn man weiß, dass es nicht stimmt, begleitet einen über die Ausstellung hinaus. “Vertraute Fremde" hat Jim Rakete diese sehenswerte Schau mit fast 100 Fotografien genannt.

Bis 10.5., Ludwig Galerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46,
Di-So 11-18 Uhr

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