Donnerstag, 7. Mai 2009

Kammerspiel konzentrierter Kunst

Zwei Positionen abstrahierter Kunst werden in der Galerie Obrist am Museum / GAM zum Dialog geführt, Malerei wie sie unterschiedlicher kaum sein kann. Figurativ ausdrucksstark, spontan die eine, in Mustern rhythmisiert geordnet die andere. Beide sind auf Understatement hin angelegt - im Format und Medium, das sie eigentlich sprengen, sowohl inhaltlich als auch formal. Dies jedoch sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht an, sondern entdeckt es langsam bei der Betrachtung der Bilder.

Chaos und Ordnung, Zufall und Notwendigkeit in dieser Dialektik spürt der Essener Eberhard Ross Prinzipien natürlicher Organisationsprozesse auf, beobachtend, wie aus einer scheinbar beliebigen Kette von Einzelaktionen ähnliche und sich wiederholende Ordnungsprinzipien entstehen. Verdichtung und Auflösung schaffen Strukturen, die Ross in der Natur ebenso wie bei der Organisation von Bildern erkennt. Eine energetische Reaktion der Natur oder ein Gesetz menschlicher Wahrnehmung und Tätigkeit? Der Künstler ist von einem universalen Muster überzeugt, dem beide Prozesse unterliegen. Beweisen kann er es nicht, aber anhand seiner Kunst zeigen.

36 Stunden ohne Schlaf: Grenzerfahrung, Selbstversenkung, Leere - dabei bringt er zeichnend, kritzelnd, ordnend auf Papier, Aluminium, in Ölfarbe Netzwerke von Linien hervor. Jedes gehorcht einem eigenen Rhythmus und Takt, so wie ein Vogelschwarm oder sich kräuselnde Wasseroberflächen, die er fotografiert.

Klar, dass eine solche Arbeitsweise kaum Grenzen kennt und sich ordnend selbst diszipliniert: durch Zeit- und Materialvorgaben, durch Formatbegrenzung und innere Konzentration.

So mag es auch Andres Titzrath gehen, der in seinen Ölbildern wie aus dem Dunkel der Bühne schattenreiche Gesichter auftauchen lässt. “Der König, der Kleriker, der Kapellmeister, die Rebellin, der Gärtner" heißen sie. Typisierende Titel unterlegt der ehemalige Essener Buchillustrator seinen zeichenhaft reduzierten Charakterköpfen im variationsreichen “Kammerspiel", so der Ausstellungstitel. Im kleinen, Blick zentrierenden Bildformat lässt der Künstler den Charakteren in der Farbentwicklung freien Lauf. So lange bis sie den Ausdruck treffen, den der Künstler wirklich will. Die Synthese der Erscheinungen einer Person, eine spezifische Aura, das Konzentrat eines Augenblicks will er erfassen oder das Aufblitzen der Unverwechselbarkeit einer Person.

Bis 13.6., Galerie GAM, Kahrstr. 59

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