Freitag, 29. Mai 2009

Unmögliche Raumkonstruktionen


"Gibt es nicht!" - "Stimmt! Oder doch? Aber man sieht es ja..." Solcherlei Dialoge liefern sich Betrachter der Bilder von Thomas Hannappel, dessen fotografierte Rauminterventionen so manche Frage und Irritation aufgeben.

Ein halber Ikeatisch, mittig durchgesägt, darauf liegt ein Ei, alles schwebt, alles ist stabil. Eine Aluminiumstange zieht vertikal durch das Bild, das eigentlich nur ein halbes ist, und die Irritation geht weiter.
Der nächst größere Tisch, wieder abgesägt ist mit einer Birne oder Pampelmuse bestückt. Räume, kalt und kühl, nüchtern, manche im 50er Jahre Design, so schäbig, wie man sie sich kaum vorstellen kann. In einem anderen Bild liegen Dübel verstreut, als hätte eine Bombe eingeschlagen, in einem nächsten türmen sich Kulissen kreuz und quer und übereinander, so dass gar nichts mehr geht.
All diesen Fotografien gemeinsam ist, dass etwas fehlt. Nicht nur ein Wesen, das das verlassene Ambiente belebt, sondern die Logik der Vollständigkeit, ohne die der Mensch nicht existieren kann. Schon gar nicht, wenn er Fotografie vor sich hat, das Medium, das ja bekanntlich und wider besseres Wissen auch heute noch Wahrheitsanspruch suggeriert.
Der Essener Bildhauer Hannappel arbeitet mit dem Raum und erfindet ihn neu: in konstruktiven Studioinstallationen, mit perspektivischen, logischen Brüchen, Augen täuschend und doch gefälscht, wie M.C.Escher es im Medium der Grafik tat. Nur kann man Eschers Täuschungen entlarven, im Bild und im Vergleich mit der Realität. Das kann man bei Hannappel so einfach nicht. Nicht nur weil jedes Vorbild fehlt, sondern auch, weil er die Räume im Studio arrangiert. Wie er diese konstruiert und baut, wie er sie zusammenfügt, bleibt sein Geheimnis. Aber wollen wir eine schnöde Bildauflösung tatsächlich sehen oder uns nicht doch lieber der Ungewissheit des trügerischen Bildes hingeben?

bis 8.8.09, Galerie Schütte, di-fr 14.30-19.00, sa 11-14.00, Essen Kettwig, Hauptstr. 4

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