Donnerstag, 23. Juli 2009

Sekt oder Selters

Plötzlich ging alles ganz schnell. Gerade aus dem Urlaub zurück hängte sie Oliver Jordans neue Bilder an die Wand, installierte sich in den frisch renovierten Räumen und eröffnete die Vernissage, routiniert, doch ohne besondere Erwartung an ein erstaunlich zahlreich erschienenes Publikum. Eine Sommerausstellung am Weberplatz mitten in der Ferienzeit? Ein Comeback der Galeristin Ricarda Fox just in dem Teil der verödeten Innenstadt, wo man neben Internetcafés und Dönerbuden Pfandhäuser und Barbesucher erwartet, alles andere jedenfalls als Kunst? Doch gerade hier, Sekt oder Selters, soll es sein mit einem Programm, das zukunftsorientiert und wagemutig ist: Förderung nicht etablierter Kunst, quer denkend und mit Bezug zur Region, damit diese über 2010 hinaus zusammenwächst. So wie eines Tages die nördliche Innenstadt mit Brücke und Boulevard zur Uni hin anbinden und mit einer Trasse zum Thyssengelände abschließen soll.
"Emscher rockt", Malerei trifft Graffitti, alt bekannte auf blutjunge Kunst. Skizzen, Entwürfe, Fertiges werden verkauft in einem "Project in Progress", wo der Weg nicht das Ziel, aber ein Schritt in die richtige Richtung ist. Zeche Carl steht diesmal im Mittelpunkt mit ihrem Wandel von der Kohle zum Kulturbiotop, zur  Keimzelle einer neuen Industriekultur. Nicht abgedroschen klingt das hier, sondern nach einer gut dosierten Mischung aus Rock und Pop, Philosophie und Kunst, entstanden 2007 im Malakowturm und dem alten Maschinenhaus, fotografiert von Maurice Cox aus Köln. Der Essener Oliver Jordan, bekannt für expressiv flammende Welt- und Ruhrgebietskunst, wird mit jungen Sprayern der Region ein Wandbild erarbeiten, das Protagonisten der Musikgeschichte wie Bob Dylan, John Lennon, Jimmy Page mit der "Emscher-Region" und klassische Malerei mit der sprühenden Szene der Graffittikunst verbindet. Entwürfe auf Pappe, Papier und Leinwand, dazu andere Arbeiten von Oliver Jordan sind derzeit in der neuen Dependance zu sehen.
Das Projekt wird vom neuen Kunstplatz K29 der Ricarda Fox begleitet und natürlich dort ausgestellt. Denn auch die Moneten für die Kunst müssen verdient oder gesponsert werden, das allerdings zu erschwinglichen Preisen.
Über "Twitter" und "You Tube" werden junge Kunstfreunde in das Geschehen einbezogen ebenso wie Studenten, Neugierige und Nachbarn der neuen Galerie. Ihren alten Standort in einer ehemaligen Kaserne in Mülheim behält Ricarda Fox bei!

K 29, Ricarda Fox, Kreuzeskirchstraße 29

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