Donnerstag, 2. Juli 2009

Von Menschen, Tieren und anderen Lastern


Den Nerz, den Jaguar, den Esel..., Sie kennen diese Lieblingstiere der Frau! Dazu Männer, die kämpfen wie Löwen, schlau sind wie Füchse oder leiden wie Hunde... Weit scheint es nicht her zu sein mit dem "Tier auf zwei Beinen ohne Federn" wie Platon den Menschen nannte. Munter vergleicht die Krone der Schöpfung sich mit dem Tier, verleiht ihm Laster, Tugenden, Klischees, liebt, verehrt es, beutet es aus.
Sarkastisch tiefgründig, abgründig philosophisch und fast immer humorig geht es bei Klaus Kiefer zu, wenn unter dem Motto "Animal Gallery", so der Ausstellungstitel, 13 Künstler Arbeiten zum Thema Tier präsentieren und es vorwiegend von seiner eitlen, einfältigen oder treu willfährigen Seite zeigen. Nicht weil es so ist, sondern weil sein Besitzer es dazu macht: Zur Projektionsfläche seines Selbst, seiner Wünsche, Phantasien, Laster, der kleinen Freuden und großen Ängste.
Prominente Größen wie Johannes Grützke, der Titanic Maler Rudi Hurzlmeier, Volker Stelzmann, Pavel Feinstein, Klaus Rittersbusch, Navratil und Yongbo Zhao u.a. stellen aus. Die Künstler der Galerie, schon bei alltäglichen Themen exotisch genug, geben beim Thema Tier fast alles, was Mensch zu toppen sich nicht traut. Weil es verboten, verpönt oder einfach unmenschlich einfältig ist - Kurioses, Anstößiges, Bizarres verhüllt im Gewand beißender Gesellschaftskritik.
Ein Frosch, der Zigarre rauchend die WELT studiert, eine Affengesellschaft, die es im Rudel treibt, ein Schimpanse, der sich kopfüber selbst befriedigt und Züge des chinesischen Künstlers trägt. Pavel Feinsteins altmeisterlich vermalte Stillleben sind prall mit kunstgeschichtlichen Anspielungen und symbolisch kodierten Verweisen gefüllt. Seine Protagonisten tragen Weisheiten des Lebens mit einem Lächeln im Gesicht: der Schoßhund als Beigabe zum Stillleben mit Gläsern und Messern ebenso wie ein aufgeschossener Jüngling, der an Picassos blaue Phase gemahnt oder das weltweise Bildnis des Galeristen mit Findling Reggie, einem stolzen Straßenhund mit der Unerschrockenheit eines Zinnsoldaten.
Unbedingt sehenswert sind auch die Bilder der Gelsenkirchener Künstlerin Heike Feddern: Romeo und Julia, ein steinaltes Affenpärchen mit Nachthaube und hutgroßem Hirn - Philemon und Baucis grüßen leise und liebenswert ironisch - oder das großformatige expressive "Schlaflabor" mit Libelle von Johannes Heisig. Alptraumartige farbintensive Visionen überlagern sich unter dem Auge, das alles bewacht, auch das Portrait des tagschlafenden Künstlers.
Nichts wie hin! In dieser Ausstellung entdeckt man viel, vielleicht mehr als man manchmal vertragen mag!

Bis 29.8., Galerie Klaus Kiefer, di-fr 11-18.30, sa 10-14 Uhr, Rüttenscheider Straße 56

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen