Samstag, 5. September 2009

Farbfeuerwerk aus China



Ein hoch explosives Farbfeuerwerk aus China wird in der Galerie Schlag vorgestellt:
Reng Zhengyu aus der Millionenprovinz Tianjing, ein international bekannter, abstrakt figurativ malender Künstler, und Ren Jing, der Newcomer "der nächsten Generation", wie sich die jungen malenden Shooting Stars in China selbstbewusst nennen.

"Jungle Games" nennt Ren Jing seine gespenstisch bedrückenden neuen Arbeiten aus einer hoffentlich surrealen Kinderwelt. Doch wie kann man da sicher sein angesichts chinesischer Verhältnisse, angesichts von Menschenrechtsverletzung, Missbrauch und Missachtung von Kindern in Asien und weltweit? Im Land des Drachen jedenfalls sind diese Thema tabu, nicht aber in der Kunst von Ren Jing. Verletzlich, offen, harmlos - böse, blutrünstig, verschlagen, voller Sarkasmus und zügelloser Erkundungslust treiben die Kleinen ihr Unwesen in tropischen Wäldern und magischen Sumpflandschaften, bei grellen Mondlicht oder gespenstischer Dunkelheit, Jugendliche beiderlei Geschlechts, zart und stark, Opfer und Täter zugleich. Vor Gewalt, Lust und Mord schrecken sie wohl ebenso wenig zurück wie vor der Eroberung neuen Terrains: Wenn sie ein schützendes Ufer suchen, Halt, ein Gegenüber, ein Spiegelbild. In grell bunten Farben und harten Kontrasten, bar jeder guten Gesellschaft scheinen diese vagabundierenden Kinder sich und ihren lasziven Spielen überlassen zu sein - eine düstere Schattengesellschaft, Spiegel und Projektion der Erwachsenenwelt.

"The visible and the invisible", eine Malerei, die sich neopopartig von der Figuration zur Abstraktion und wieder zurück verwandelt, stellt Ren Zhenyu aus Tianjin vor. Ikonen chinesischer Nationalkultur, Stolz und Größe der Nation verschwimmen in seinen Ölbildern zu schillernder Farbmaterie mit bittersüßem Nachgeschmack. Wo sind sie hin, die großen Idole? Mao Ze-dong verschwimmt in einem gerakelten Meer von Baugrauviolett, Schauspieler implodieren in rot und gelb, die Helden von Luftwaffe, Marine, Freizeit in hellem Blaugrün. Doch auch die westlichen Vorbilder verlieren Kontur. Andy Warhol, Gerhard Richter, Anselm Kiefer lösen sich in ihren klaren Umrissen auf, und dennoch werden sie von Ren Zhenyu, dem Meister der lasierenden Ölfarbe, ausdrucksstark und auf den Punkt genau getroffen. Richter in seiner Nachdenklichkeit, Kiefer mit seinem analytischen Blick, Andy Warhol in der anonymen Schemenhaftigkeit, hinter der er als Kunstidol verschwinden wollte.

Bis 18.09., Galerie Frank Schlag, Meisenburgstraße 173, di.-fr.: 14-­19, sa.: 11 - 16 Uhr

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