Samstag, 26. September 2009

Malerische Architekturfotografie bei Ricarda Fox



Lange Gespräche über das Motiv oder geduldiges Warten auf neutrales Licht braucht es, bis die Fotografin Petra Wittmar und der Philosoph Ulrich Deimel ihre Meinungen über die perfekte Einstellung ausgetausht haben und den Auslöser drücken. Das Ergebnis rechtfertigt nicht nur den Aufwand, sondern erfordert ihn, denn die analogen Aufnahmen mit der Großbildkamera werden nicht retouchiert. Lediglich die Körnung des Films sowie leichte Farbmanipulationen setzen die Künstler zur Ausdruckssteigerung ein, damit harte Übergänge weicher, Buntwerte blasser oder intensiver werden.
Ausgestellt wird malerische Architekturfotografie, wie man sie selten sieht, frei schwebend zwischen Dokumentation und subjektivem Blick. Beide Sichtweisen ergänzen sich, denn sie offenbaren das Herz der Architektur in seiner künstlerischen Substanz.
In der aktuellen Serie werden Gebäudeausschnitte der 20-er Jahre gezeigt: Art Deco nicht in seiner schillernden Außenfassade, sondern in einem kunstvollen Detail, einer Arabeske, einem formvollendeten Treppenaufgang, in der filigranen Eleganz einer Säulenflucht. Das Material des Baukörpers, Beton, Backstein, Glas oder gold glänzendes Aluminium wird abstrahiert durch Farbe und Licht und dennoch bewahrt es in der Fotografie seinen haptisch taktilen Reiz.
Diese Arbeiten sind eine Hommage an die Ästhetik, aber auch an die Gebrauchsfunktion von Architektur, denn Wittmar und Deimel riskieren den Blick auch hinter marode Kulissen. "Viele Gebäude hätte man in ihrer historischen Substanz konservieren können, stattdessen gab man sie dem Abriss preis." Der fotografische Blick durch den Bauzaun des Glückaufhauses in Essen oder in das Metropol Kino in Bonn bestätigt das. Beide Gebäude mit ihren überraschenden Architekturdetails fielen mit und ohne Bürgerprotest dem Bagger anheim. Doch es gibt noch andere Gebäude in der Region, die man nach dieser hochwertigen Ausstellung mit neuen Augen sieht. Das Polizeipräsidium Bochum, der Rheingoldsaal Düsseldorf, das Hans-Sachs-Haus Gelsenkirchen, die Hauptverwaltung Hoechst AG Frankfurt u.v.m.
Deimel ist Steiner-Schülerin und beide Künstler gehören spätestens seit ihrer Beteiligung an der Architekturbiennale in Venedig 1996 zur 1. Liga der deutschen Architekturfotografie.

Bis 16.10., Galerie Ricarda Fox, Liverpoolstraße 15, Mülheim, 0208-3787734, 0171-8350042

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