Samstag, 26. September 2009

New York-Amsterdam und ein Licht, das Gegenstände frisst



Zwei malerische Positionen wie aus einem Guss werden in der Galerie Kalthoff vorgestellt, Künstler, die sich in der Kneipe kennen gelernt haben und seitdem über Kunst kommunizieren über Kontinente hinweg. Jim Harris lebt in Amsterdam und Berlin, heute vorwiegend in New York, Daniel Bodner in Amsterdam und London. Eine gemeinsame Ausstellung haben sie sich schon immer vorstellen können, nun ist sie realisiert mit ca. 40 Gemälden unterschiedlicher Größe auf Leinwand. Ausschnitte von Straßenschluchten, Passanten, U-Bahnhöfe und
Kircheninterieurs sind es, wobei der Blick auf glänzende Details geschwungener Kronleuchter gerichtet ist oder auf eine schlichte Kirchenbank. Doch bei beiden Künstlern sind nicht die Motive das zentrale Moment, sondern der Prozess ihres Verschwindens im Licht. Und beide haben andere Wege gefunden ihn darzustellen, mit dem Resultat, dass sich die Bilder in ihrem Zusammenspiel ähneln!
Daniel Bodner fotografiert seine New Yorker Straßenansichten, wertet sie aus, prüft Licht, Details, Stunden und Tage lang, vergleicht und retouchiert Vorlagen, bis er eine naturalistisch gezeichnete Skizze erstellt. Als Grundriss, über den er zügig die Farbe verteilt bis Details verflachen und sich auflösen im Gegenlicht. Passanten und ihre Silhouetten erscheinen dunkel vor hellem Grund. Farbpigmente brodeln in Terpentinlösungen, hinterlassen Lachen und kreisrunde Spuren, Resultat chemischer Unverträglichkeit.

Anders Jim Harris: Er meidet die Fotografie als eine "viel zu flache Vorlage", wie er sagt, und malt direkt vor dem Motiv. "In der U-Bahn ist es noch leicht, denn das Licht ist künstlich, der Ausschnitt konstant". Schwieriger wird es bei natürlichem Licht, in seinen Kircheninterieurs, wo Sonnenstrahlen in Fenster, Lichtschächte, Mauerwerk, auf glänzendes Gold und Aluminium fällt. Doch dafür hat der Künstler eine Lösung parat: Lichtflecken auf dem Bild klebt er mit Folie zu, fixiert Uhrzeit, Helligkeit, Farbwerte und trägt sie Zeit versetzt auf. So protokolliert er den Entstehungsprozess eines Bildes, Stunden oder Tage können es sein, je nachdem wie viele Details er streicht. Malerei hier ist also ein selbstreferenzieller Prozess im Einklang mit der Zeit, wohingegen Daniel Bodner die differierenden Arbeitsweisen und Zeitauffassungen in den Medien Malerei und Fotografie thematisiert.

Bis 31.10.09, Galerie Kalthoff, Sabinastr.1, di-fr 10-18.00, sa 10-13 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen