Dienstag, 1. September 2009

Sterben muss man....



"Sterben muss man um in den Himmel zu kommen, doch das gerade wollen die meisten nicht!" kommentiert der seit 2001 in Duisburg lebende Künstler David Alcántara ein Bild seiner Ausstellung "Anamnesis" (Rückbesinnung), die zur Zeit in der Galerie GAM zu sehen ist. Leben und Tod sind in der spanischen Kultur in Bildern und Ritualen des Alltags präsent, so auch in den collagierten Gemälden des seit 2001 in Duisburg lebenden Künstlers, der in Sevilla Malerei und Architektur studierte, bevor er nach Deutschland zog - um sich hier zu fühlen als Fremder. Als einer, der buchstäblich nichts verstand, der die Sprache neu lernen, mit den Augen begreifen, mit allen Sinnen aufnehmen musste, um die Kultur, sein Leben, seine Identität neu zu verstehen. Eine Erfahrung, die einschneidend war, aber eine, die seiner Kunst neue Dimensionen verlieh.

Die Ausstellung zeigt auch frühe Arbeiten des von Cadiz aufgebrochenen Künstlers, in denen er Sonne und Mond als Kreise und Halbkreise sich begegnen lässt, eine Bildsprache, die in ihrer schwebenden Leichtigkeit an einen frühen Miró erinnert und die er in Deutschland modifiziert. Persönliche Inschriften, assoziative Zeichen und Symbole, selbst geschossene Fotografien auf Leinwand gedruckt sowie gestische Farbspuren prägen das Bild, dazu Kommentare in verschiedenen Sprachen.

Der Mythos von Herkules, der der neunköpfigen Hydra den Kopf abschlug, wird in einer Serie abstrakter Zeichnungen festgehalten, dann der Sturz des Ikarus oder die Reise des Orpheus, der Euridike aus dem Labyrinth befreite, nachdem Theseus den Minotauros erschlug. Deutsche und spanische Wortfetzen begleiten das Bild und führen den Betrachter zwischen Gebots- und Verbotsschildern wie im Kreis hin und her, bis er Distanz einnimmt. Nur so kann er sich dem Labyrinth aus bildnerischen und skripturalen Zeichen nähern.

GAM Obrist Gingold Galerie, bis 19. September 2009, Kahrstr. 59, Di/Do/Sa 10-15h, Mi/Fr 12-19h


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