Mittwoch, 16. September 2009

Weiche Farbtöne des Mondes



So frappierend einfach und klar sehen diese ein oder zwei Mal belichteten analog bearbeiteten C-Prints von Papiermodellen aus, dass man staunt, wie wenig, wie reduziert und gegenstandslos Fotografie sein kann, und dass sie die Infragestellung ihres ureigenen Mediums ebenso radikal betreibt wie die Malerei. Nina Brauhauser, ihr Vater war Kricke-Schüler und arbeitet mit reduzierten Plastiken, geht jedoch noch einen Schritt weiter. Sie fotografiert nicht im herkömmlichen Sinn, sondern fotografiert mit dem Scanner ihre mit Lack besprüht Papiermodelle.


Zu sehen sind Flächen mit sanften oder glasklaren Übergängen dort, wo sie sich übereinander legen, überlagern, begrenzen, zwischen manchen sieht man samtweiche Schatten oder Lichtstreifen, gesehen wie ein Lichtschimmer durch eine leicht geöffnete Tür. Durch Hell-Dunkel Nuancen entstehen Kanten und Räume, die Imaginationen sind. Und die Grundfarbe, wie könnte es anders sein ist entmaterialisierendes Weiß, sanftes Grau oder lichtes, helles Blaugrün, den Ausdruckswert von Buntwerten sucht man vergebens. Gegenstände natürlich auch. Stattdessen ist der Betrachter dem Spiel der Formen und seiner Fantasie ausgesetzt, insbesondere der Wirkung von Komposition und Raum. Orientierung bieten Bildtitel wie "color of monday morning", "modern garden" , oder "soft hues of the moon", Titel, die Stimmungen komprimieren oder ironisch neu setzen. So oszilliert der Blick zwischen ruhendem Gegenstand und einem nicht definierbaren Abbild hin und her, dem Abbild des nicht Erkennbaren und dessen Vorstellung im Reich der Imagination.
Präsentiert werden die Arbeiten hinter satiniertem, leicht mattem Glas, das die Härte der Komposition bricht und um einige Nuancen weicher macht.

Galerie Schütte, bis 19.9.09, Essen-Kettwig, Hauptstraße 4, mo-fr 14.30-19, sa 11-14 Uhr

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