Freitag, 16. Oktober 2009

Fotografien aus Licht



In der Galerie GAM gibt es neue Arbeiten des Folkwang- und Sasseschülers Andy Scholz zu sehen, Fotografien, die vorführen, was die Malerei schon immer tat, und was man der Fotografie, auch heute noch, gern abspricht: Vorstellungen der Wirklichkeit formulieren, empirisch belegen und künstlerisch auf hohem Niveau darstellen zu können.

Im Zentrum der Arbeiten von Andy Scholz steht das Alltägliche, das unbeachtete soziale und gegenständliche Milieu, so wie es hier, an einem konkreten Ort, aber auch überall in der Welt sein und wahrgenommen werden könnte. Ein Kaugummiautomat an der Wand, verblichenes Mauerwerk, ein maroder Fensterladen, der Supermarkt, eine Tankstelle, ein Grenzübergang, der Blick ins bürgerliche Wohndomizil.
Anders als viele andere Fotografen wartet Scholz nicht auf neutrales Tageslicht, sondern kreiert spezifische Situationen, in denen der Gegenstand skulptural wie aus Licht gemalt erscheint, aus der Dunkelheit hervorbricht oder in weichen Farben verschwimmt.

"Ich entdecke und schaffe diese Orte neu: Aus dem Dunkel der Nacht oder aus ihrem Umfeld herausgelöst, nehmen sie eine neue Identität an." Es ist die Identität des Bildes, das sich ästhetisch behauptet und der Wirklichkeit als Kunst gegenübersteht und das fragt nach der Wahrheit der Welt und der Zuverlässigkeit unserer Wahrnehmung. Einladend sehen die meisten seiner Arbeiten aus, auch wenn sie es in der Wirklichkeit nicht sind. Die Behörde, die Vollzugsanstalt, der Grenzübergang, Scholz fotografiert sie so, dass selbst die strengste Architektur noch menschliche Spuren verrät. Eine Sicht, die verführt, den Alltag mit anderen Augen zu sehen.

GAM Galerie Obrist, bis 24. Oktober, Kahrstraße 59, di, do,sa: 10-15, mi,fr 12-19 Uhr

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