Freitag, 16. Oktober 2009

Johannes Grützke bei Klaus Kiefer



Der Altmeister Johannes Grützke bei Klaus Kiefer - ein Muss für Liebhaber des skurrilen, abgründigen, gesellschaftspersiflierenden Humors. Auf der Vernissage war er zu erleben, dozierend, parlierend, schauspielernd, sarkastisch, anarchisch wie eh und je.
In wirbelnden Gedankengängen blättert Grützke sein Weltentheater auf, lebt es, malt es, revidiert es. Denn die oberste Maxime des quer denkenden, theatralisch agilen Malerfürsten lautet Wahrhaftigkeit. Schonungslos attackiert er menschliche Laster, zeigt Rollenspiel und Gruppenzwang, gesellschaftliche Neurosen, private Regression. Eine Sittengeschichte der deutschen Gesellschaft tut sich da auf, Hauptakteur und Drahtzieher bleibt der Künstler in zahlreichen Portraits und Gruppendarstellungen.
Doch seine Bilder, so bizarr und verstörend sie auch anmuten, formulieren keine Botschaften. "Denn Malerei ist Denken mit dem Pinsel und das Bild ein Abfallprodukt malender Forschungstätigkeit." Erfahrungen des Künstlers in der "ihn umgebenden kleinen Welt" bilden den Ausgangspunkt, "denn diese kleine steht stellvertretend für die gesamte große und meine Person demzufolge für die aller Personen." Das Herzklopfen angesichts dessen, was er am Ende eines Malprozesses in seinen Bildern sieht, überfällt den Meisterschüler von Peter Jansen auch heute mit 72 Jahren noch.

Eine Retrospektive richtet der Galerist Klaus Kiefer in Essen aus, der nicht genug bekommen kann von den subversiv ergötzlichen Allegorien des Begründers der Neuen Prächtigkeit und das Werk mit Ölbildern, Pastellen, Skulpturen seit über 20 Jahren zeigt.


Bis 11.11.09 Galerie Klaus Kiefer in Essen, Rüttenscheider Straße 56

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