Samstag, 24. Oktober 2009

Kriminalistische Spuren in der Galerie Schütte



Jana Müller lädt zu ihrer Ausstellung ein:
"Sehr geehrte Damen und Herren, ... seien Sie gewarnt. Es ist kein abgesichertes Terrain, welches sich mit Worten erklären ließe. Sie werden ein Manuskript von Blut und Tod begehen. Einige Dinge werden Ihnen vertraut vorkommen, doch manche völlig fremd. Ich baue auf Ihre Assoziationsfähigkeit und auf Ihre Kreativität. Es wird sich eine Sehnsucht in Ihnen breit machen, die Sehnsucht nach klarer Trennung von Gut und Böse. Wir alle tragen dieses Verlangen in uns, doch fällt uns das Urteil schwer. Sie werden meine Welt betreten, eine Rekonstruktion des Alltags, den wir meistern müssen und der uns doch so oft verstört. Sie werden nicht die Bilder in Ihren Köpfen mit nach Hause nehmen, die ich gezeigt habe, sondern die, die in Ihrem Inneren bereits eingebrannt sind. Und diese Brandings werden erneut empor kommen, vermischt mit den Artefakten der Ausstellung, wenn Sie am nächsten Morgen - es wird ein Sonntag sein - am Frühstückstisch sitzend die Zeitung aufschlagen. Welche Zeitung auch immer: die Berichte über die Ereignisse des Tages, der Woche, der Monate, der Jahre sind fortwährend die gleichen - es sind die wahren
Geschichten von Blut und Tod. Ich gebe zu, es hat sich in mir eine Faszination breit gemacht darüber, wozu wir Menschen fähig sind. Doch ich kenne Sie nicht und Sie nicht mich."

Es widerspricht dem Geist der Ausstellung, den Inhalt zu erklären. Soviel sei dennoch verraten: Es ist eine konzeptionelle, glasklar ausgerichtete, rätselhafte Schau mit Erinnerungsspuren, die wie "Sirenen" (so der Ausstellungstitel) funktionieren, als betörende Warnsignale, deren Nichtbeachtung tödliche Konsequenzen hat. Jana Müller legt Assoziationssignale, Kleidungsstücke, Fotos, Malerei, in der Galerie Schütte aus, Hitchcocks Film "Marnie" ist Indiz und Wegweiser zugleich.


Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr. 4, di-fr 14.30-18.30, sa 11-16 Uhr

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