Samstag, 24. Oktober 2009

Sünden auf Votivtafeln und japanische Drachen



"Unserem Heiligen Herrn von Chalma widmen wir dieses Retablo und danken für die Errettung aus einer heiklen und peinlichen Situation. Nachdem wir das Wochenende über alle Maßen fröhlich eingeleitet hatten, erschien uns der leibhaftige Teufel. Dank der Fürsorge unseres Schutzpatrons haben wir den Weg nach Hause trotzdem schnell und sicher gefunden und konnten das Übel hinter uns lassen.
Frau Knochen und Herr Filz aus Mexiko, Februar 2008"


Seit 2002 lässt Alexander Braun, 1966 in Dortmund geboren, in Mexico City "Retablos", Votivtafeln malen, die mexikanische Variante der im katholischen Kultusbereich geläufigen Danksagungen Gläubiger an eine bestimmte Heiligen-Figur. In Mexiko hat sich diese Tradition in den letzten Jahrzehnten auf anarchische Weise transformiert, so dass dort heute alle Themen des beschwerlichen Alltags konkret und detailliert in Retablos zur bildhaften Sprache kommen: Auch solche, die der katholischen Moral zutiefst zuwiderlaufen: Homosexualität, Ehebruch, Alkoholismus etc. Der ansonsten für seine entleerten Landschaften bekannte Künstler stellt hier eine höchst amüsante, wunderbar skurrile Sammlung von Sünden vor.

Daneben gibt es auf spiegelglatten Lack- und Kunststoffoberflächen Bilder des in 1970 in Kyoto/Japan geborenen Malers und Bildhauers Showichi Kaneda zu sehen, eine Technik, deren hoher ästhetische Brillianz anspielt auf die Herkunft dieser Malerei aus dem ostasiatischen Raum. Abgebildet sind zahlreiche "japanische" Symbole, Drachen, Kämpfer, Embleme japanischer Marken, die neben westlichen Logos und Comicfiguren platziert sind. Ein Ausdruck internationaler Verbindungen und eine Hommage an die Tatsache, dass Bilder aus Asien wieder allgegenwärtig sind. Nach 2005 ist dies die zweite One-Man-Show Showichi Kanedas in Europa, dessen Arbeiten schon in zahlreichen internationalen Ausstellungen auffielen und bereits 2004 in Deutschland auf der Art Cologne zu sehen waren.

Galerie Frank Schlag, bis 23. 10. 09, Meisenburgstraße 173, di-fr 14-­19, sa 11- 16 Uhr

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