Donnerstag, 5. November 2009

Contemporary Art Ruhr mit gestrafftem Profil gut aufgestellt



Der Krise zum Trotz, die "C.A.R"  hat es geschafft! 2004 als lokales Projekt unter dem Titel "Kunstquadrate" gestartet, hat die "Contemporary Art Ruhr" bei ihrem 5. Auftritt auf Zollverein ein aufgeräumtes, qualitativ gereiftes Gesicht gezeigt. Die "junge Kunst", vorwiegend Plastik, Malerei, Fotografie, hält ­ zeitgleich zur Art Fair Köln -  internationalem Qualitätsvergleich stand. Auch wenn die Umsätze heuer mager sind. Doch wen wundert's in Zeiten wie diesen, wenn die Krise den Kunstmarkt schüttelt, und hier später als auf den Geld- und Devisenmarkt polarisierende Schneisen zieht? Gefragt ist junge Kunst, wenn sie originell und preiswert ist, ansonsten präferiert der betuchte Sammler wertbeständige Klassische  Gegenwartskunst.
In zwei Industriehallen und der von den japanischen Stararchitekten Sanaa konzipierten Designschool steht den 200 Künstlern und Galerien aus Europa und Kanada auf 4000qm eine nicht leicht zu bespielende Fläche zur Verfügung. Die leicht renovierten Hallen und besonders die von japanischen Stararchitekten Sanaa konzipierte Designschool mit ihrer immensen Höhe und dem quadratisch unregelmäßig formatierten Fenster- und Raumzuschnitt wirken an sich schon monumental. Fest steht, "es ist die schönste Ausstellungshalle der Welt, jeder Blick durch die Fenster ein Bild bei wechselndem Licht," so der Essener Galerist Gerd Schütte, Einblick und Ausblick auf eine 200- jährige Industriegeschichte im Wandel der Zeit.

Doch man sah auch rote Punkte und viel Innovatives. In der von Künstlern bestückten Halle fiel besonders der Krisenengel des Essener Künstlers Jörg W. Schirmer auf, eine männliche, weit überlebensgroße, verzerrte beflügelte Figur, frisch und gerade erst für die Schau fertig gestellt. Flankiert wurde sie von bunt lackierten roboterartigen Holzskulpturen der Berliner Künstlerin Maike Gräf zum Thema erotische Begegnung oder von einem Raum greifenden satellitenartigen Kreis aus Eierpappschachteln, Holzstäben und Wäscheklammern von Rolf Blume. Der EGG-O-IST lautlos im All heißt die Installation. Nachwuchskunst aus Spanien gab es in der Halle 5, wo Kunstvereine und besondere Institutionen wie die Langen Foundation mit Fotografien von Frauke Eigen auf sich aufmerksam machten.

Die Galerien zeigten die Zollverein School in neuem, aufgeräumtem Licht. "Arteversum" aus Düsseldorf präsentierte die RuhrFigur von Wolfgang Schmidt, eine für 2010 konzipierte Stahlfigur, die 100 Mal aufgestellt von Duisburg bis Dortmund die Kulturregion 2010 markieren soll. Galerie Tedden aus Düsseldorf bringt reduzierte, ästhetisch anspruchsvolle Arbeiten der Künstlerin Kirsten Krüger mit, die Galerie Kabuth aus Gelsenkirchen bizarre Glasobjekte des New Yorker Künstlers Clemens Weiss, die Galerie Signum aus Heidelberg einen "Balkenhol"-Flipper, aus bemalten Holzfiguren geschnitzt und einsatzfähig montiert. Bei der sehr gut besuchten Eröffnung am Freitag traute man sich zuerst nicht, doch dann fand der Tischfußball regen Zuspruch und etliche kunstträchtige Tore...

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