Mittwoch, 25. November 2009

Kunstrausch statt Kaufrausch und bissige Gesellschaftskritik



Wer im Kunstkabinett Klaus Kiefer vorbeischaut, entgeht dem Stress, der vorweihnachtlichen Idylle, dem Kaufrausch auf Pump. Stattdessen gibt es knallharte Kunst aus der Mandschurei zu sehen von Yongbo Zhao (geb.1964), dem aus China nach München immigrierten, mittlerweile weltweit bekannten Malerstar und Miquam Zhang (geb,1958), der berühmt in Asien ist und es in Europa gerade wird. Seit fast 10 Jahren leitet er die Kunstakademie seiner Heimatprovinz Jilin. Eine lange Freundschaft verbindet die Künstler seit ihrem Studium, umso interessanter, ihre unterschiedliche Laufbahn und Bildsprache zu studieren.
Kantig und provokant ist "Im Jahr des Drachen" so der Ausstellungstitel, auch für die Besucher, die schon einiges kennen aus dem Programm der Galerie.

Trauben von Menschen umstanden staunend, fast verschämt auf der Kölner Kunstmesse den Mega-Stand des Essener Galeristen. Schwer Verdauliches und Unerhörtes gab es da zu sehen, besonders auf "Veni, vidi, Vici", diesem format- und Vorstellungen sprengenden Sitten- und Gesellschaftsgemälde von Yongbo Zhao. Eine völlende, prassende, miteinander und mit sich selbst kopulierende, anthropomorphe Affenhorde verlustierte sich da, im Mittelpunkt des dekadenten Treibens der Künstler, die Pfote zum Mao-Gruß erhoben. Das Bild, 180/240 hängt jetzt neben seinem ebenso großen Pendant in der kleinen Galerie: Abgebildet ist eine fette Froschgesellschaft in Adorantenhaltung um eine vermenschlichte Hammelbraut, sie so gar nicht munter beim Verkehr - ein Panoptikum, das seinesgleichen sucht. Auch die übrigen Bilder des Chinesen sind voll der bissig brutalen Gesellschaftskritik und dennoch nicht ohne schwarzen Humor.
Bis 24.000 Euro kosten Bilder dieses Formats und sind damit vergleichsweise preiswert bei dem Bekanntheitsgrad des Künstlers, der Wochen, gar Monate an einem solchen Bild in lasierender Öltechnik arbeitet.

Scheinbar harmloser, weil nicht ganz so tabulos kommt Miquam Zhang mit seinen stumm schreienden Säuglingen und den still schreitenden Kurtisanen daher. Die Bilder in zurückhaltenden Grautönen erinnern an chinesische Tuschemaleriei, um diese Tradition in transparenter graustufiger Ölmalerei sofort europäisch zu brechen. Heraus kommt eine absurde Mixtur. Zukunft und Vergangenheit muten gleichsam bedrückend an: autoritär, hierarchisch, steril die konfuzianische Vergangenheit, gnadenlos dröhnend und von Erwartungen überfordert die lautstarken männlichen Säuglinge, jeder ein praller, bisweilen verzweifelter, kleiner Prinz. (Zwischen 8000-18.000 Euro)

Bis 31.01.09 Galerie Klaus Kiefer in Essen, Rüttenscheider Straße 56

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