Freitag, 4. Dezember 2009

20 Künstler der Galerie – Listen to your eyes



Wer meint, 20 Künstler mit drei Arbeiten vereinten sich zu einer Ausstellung des großen Sammelsuriums, hat sich getäuscht, denn die Qualitätsanforderungen des Kurators behaupten sich: Innovation, Individualismus, Ästhetik lauten sie und präsentieren sich in den auf fast 3 Etagen expandierenden Galerieräumen neu und variationsreich wie selten zuvor. Die 8. Gruppenausstellung ist es nun, ein Konzept, das Colmar Schulte-Goltz erfolgreich vertritt.
Doch dieses Jahr sind es besondere Kunsthäppchen, die der Besucher bekommt: Jeder Künstler zeigt je nach Größe der Arbeiten 2-3 Exponate. Was verkauft ist, kommt raus und Neues rein. Gut für die Galeristen, gut für die Besucher, denn so sortiert sich vieles neu. Alle Arbeiten sind aus diesem Jahr, eigens Angefertigtes oder Besonderes aus dem Bestand, vorwiegend Malerei, aber auch Skulptur von Künstlern aus aller Welt, Europa, Kanada, USA, China, Künstler mit internationaler Ausstellungserfahrung.
Zentral in der breit angelegten Schau ist ein Bild von Ivo Lucas. Das Setting für ein sexistisch erotisches Kabarett findet feierlich in der Bibliothek Friedrichs des Großen statt. Frauengestalten entwachsen Kandelabern, eine ist befangen in Fesselspielen – oder ist es schon ernst? – während Bauarbeiter Stoppschilder errichten, bevor die Phantasie des Betrachters abdriftet ins Uferlose.
Malstile, Zitate, historische Stile durchdringen sich, hier wie in den anderen Positionen auch, spielerisch, ironisch, aktuell. Thema sind gesellschaftlich brennende Fragen von heute und morgen.
So auch die Arbeiten des blutjungen türkischen Lüpertz-Meisterschülers Alpay Efe. Die Sünden der Genusssucht werden in altmeisterlichem Gewand vermalt: Burger, Schokokugeln, Käseecken treffen auf Stillebenrequisiten im Barockrahmen, Erziehungsmethoden und Kinderalpträume entfesseln sich im bürgerlich eingerichteten Spielzimmer. Ein kulturelles Cross-Over findet in den Bildern von James Larsson statt, in asiatisch europäisch anmutenden Holzhäuschen, während Tiere in tropischer Landschaft magische Hochzeit feiern. Das possierliche Opossum, der Schmetterling, die Beutelratte, wie lange gibt es sie noch? Nobert Bauer reduziert Rockgeschichte zu Posen oder inszeniert bürgerliche Katastrophenhysterie, während Martin Herler’s “buns“ durch Reihung im superflach farbigen Bildraum Fleischeslust entfachen.
Jeder der Künstler bürgt für Qualität, der Ausstellungstitel ist ein Appell: “Listen to your eyes“! Traue dem, was, du siehst und nicht dem, man über Kunst erzählt. Nichts wie hin also und das Auge schärfen!

Bis 30.1.2010, kunst-raum, Rüttenscheider Str.56, Di-Fr 12-19, sa 10-16 Uhr

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