Mittwoch, 2. Dezember 2009

Armin Müller-Stahl in der Galerie Haas-Hoeppner



Mit der Doppelbegabung unter Künstlern ist es ein wenig wie mit der Doppelbelastung der Frau. Man nimmt sie nicht ernst. Zu stark ist der Glaube an das professionelle Spezialistentum. Nur: Mit Beschränkung darauf gäbe es Null Fortschritt, keine Erfindung, keinen Vorstoß in die höhere Dimension. Hat nicht auch Einstein die Relativitätstheorie erfunden, indem er seinen Gedanken freien Lauf und den Zufall sich entfalten ließ, um mehrdimensionale Lösungen auf den Weg zu bringen?

Armin Müller Stahl, dessen Zeichnungen und Aquarelle in der Galerie Haas-Hoeppner zu sehen sind, ist solch ein mehrdimensionaler Künstler. Er ist zeichnender Schauspieler oder schauspielernder Maler und, was wenige wissen, ein virtuos Geige spielender Komponist. Er ist in Deutschland und Hollywood zu Hause, und "die Familie ist das Fundament meines Lebens". Als Deutscher hat er nicht Nazi-, sondern Judenrollen gespielt, ist weltbekannt durch Preise, internationale Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. die Verleihung der Ehrendoktorwürde. Das alles findet er "nichts Besonderes", es ist die "kreative Lust", die ihn treibt, sich künstlerisch mehrdimensional auszudrücken und zu gestalten.

Befragt nach den Gemeinsamkeiten zwischen Malerei, Musik und Literatur sagt er: "Also, wenn ich ganz ehrlich bin, sehe ich überhaupt keine Unterschiede. Die Energie, die man aufwendet, ist für mich die gleiche... Das ist die Zeit, die mich innerlich am meisten fesselt. Und das ist momentan die Malerei". Auf Landschaften und Portraits hat er sich spezialisiert, er zeichnet, "wo er geht und dreht", gern auch auf Drehbuchblättern, z.B. auf denen zu den Historienfilmen zu "Die Manns" oder "Die Buddenbrooks". Wort und Bild verbinden sich, doch die Zeichnung ist stärker. Sie konturiert Menschen, Szenen, Gesichter, Aktionen von Liebe, Lug, Betrug, Geburt und Tod. In ausdrucksstarker Strichführung und Proportion zeichnet er das Leben und hält es in Skizzen fest, die ganz in der Gegenwart und damit zeitlos sind.

Bis 30. 12. , Galerie Haas-Hoeppner, Huyssenallee 70, di-fr 10-18., sa 10-14 Uhr

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