Donnerstag, 3. Dezember 2009

Figurinen wie Röcke aus Ton und umgestülpte Porzellantassen



Ohne Anfassen geht es nicht: Ein Bild ganz plan aus feinstem Stoff genäht? Figurinen, die aussehen wie Röcke aus Ton? Ein Riesenornament als Wandobjekt gefaltet, als sei es aus Packpapier? Der Betrachter irrt. Schließlich befindet er sich in der Galerie Schütte, bekannt für Kunst, die täuscht: eingefahrene Sehgewohnheiten, vorschnelle Zuordnungen, konventionelle Erwartungen.
Alke Reeh ist eine neue Position im Programm der Galerie, eine, die es punktgenau trifft und bereichert mit scheinbar einfacher Formensprache. Akribisch, fein, filigran, fast ohne den Einsatz von Farbe erzielt die Rinke Schülerin mit reduzierten Mitteln maximale Veränderungen. Und Verwunderung, denn all die vorschnellen Vermutungen erweisen sich als falsch. Man muss mehr als einmal hinschauen und tasten, um der Machart dieser Werke auf die Spur zu kommen.
Der Künstlerin kommt es auf bizarre Blickwinkel, auf Verschiebungen vertrauter Zusammenhänge an, des alltäglichen, des kulturellen, des subjektiven. Doch eins ist offensichtlich: Sie hat ein Faible für Formen, die fortschreiten vom Einfachen zum Komplexen und umgekehrt. Dazu die Geschicklichkeit einer Handwerkerin, die vor dem Besuch der Kunstakademie Düsseldorf Metallverarbeitung studierte, dazu den Horizont eines Menschen, der gerne reist, dem das Verlassen eingefleischter Zusammenhänge Lebenselixier ist. Alke Reeh spürt Analogien von Mustern und Formen auf, die sich über religiöse, ethnische, kulturelle Schranken hinwegsetzen, um sie mit unterschiedlichsten Materialien in ihrer Kunst sinnfällig werden zu lassen. Und so stellt der Betrachter fest, dass sich ein Spitzendeckchen locker in die Kuppelhöhle einer Moschee integriert, eine Porzellantasse aus Europa, umgestülpt, Formen eines hinduistischen Tempels aufgreift. Das Stoffbild entpuppt sich als Fotografie hinter mattiertem Glas, das Wandobjekt ist aus schwerem Nylonmaterial genäht, was wie gemalt aussieht, fein gestickt. Und ein Foto durch die Ornamente einer Moschee spiegelt den tastenden Blick einer vielleicht verschleierten Frau.

Bis zum 31. 12. 2009, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr.: Di - Fr 14:30 - 19:00 Uhr, Sa 11 - 14 Uhr u. im Kunstraum kunstwerden e.V. Fr 19:30 - 24:00 Uhr u. n. V., Essen Werden

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