Dienstag, 1. Dezember 2009

Landschaften und Portraits im Schwebezustand



Als grafischer Zeichner will Max Uhlig sich verstanden wissen, als Kalligraph gestischer Zeichen, die er unglaublich schnell und konzentriert aus Farbpaste und Linien auf die Leinwand haut, bis eine plastische offene Form aus feinen Strichen und Pinselschlägen entsteht. Vom Rand zum Zentrum breiten sich sperrige Lineaturen aus, in Knäueln und knotigen Netzwerken über- und untereinander gelegt.
Alles ist bei dieser Arbeitsweise darauf ausgerichtet, in einer Art Trance das Bild auf direktem Weg aus dem Körper über den Arm auf die Leinwand zu bringen. Dort angekommen bilden die unzähligen Pinselspuren einen ganz eigenen Mikrokosmos, spannungsreich und voller Energie.
“Wenn ich eine Person portraitiere, brauche ich Abstand, um das Wesentliche zu erfassen,“ die Haltung, die Aura, den Eindruck aus der Distanz. Gerhard Schröder saß dem Künstler Modell und die Physiognomie des ehemaligen Kanzlers ist gerade noch erkennbar unter dem Gewirr schwarzer Tuschpinsellinien.
Den Gegenstand hält der Künstler mit Wohnsitz in Dresden und Südfrankreich gerade so in der Schwebe, dass der Bildgegenstand, das Portrait und die Landschaft, nicht in der Abstraktion verloren geht.

1937 wurde Max Uhlig in Dresden geboren. Er hat zuerst eine Lehre als grafischer Zeichner, dann das Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden als Meisterschüler von Hans-Theo Richter absolviert, viele Preise, nationale internationale Auszeichnungen erhalten für ein technisch fundiert und breit angelegtes Werk voll hoch konzentrierter Themen. Dass wir sein Werk retrospektiv und mit ca. 30 Arbeiten in Essen sehen können, ist der langjährigen Verbindung zwischen der Galerie und dem Künstler zu danken, der eigentlich lieber im Hintergrund arbeitet. Und nutzen sollte man das, da Uhlig’s Werk im Ausland stärker als in Deutschland vertreten ist.

Bis 18.01.2010, Galerie Klose, Zweigertstraße 3-7, mo-fr 10.00-18.30, sa 10.00-15.00

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