Freitag, 4. Dezember 2009

Neue Bilder zwischen Emscher und Ruhr



Brandneue Arbeiten von Oliver Jordan sind in der Galerie Fox eingetroffen, leuchtende, ölschwere Ruhrgebietslandschaften und Bildnisse von legendären Rock- und Musikgrößen: John Lennon, Iggy Pop, Mick Jagger, Künstler, die Stile und Musikgeschichte schrieben, die die Welt, aber besonders den Künstler prägten, so dass er ihnen eine Widmung malt, in großformatigen, satten Ölbildern, Skizzen, Zeichnungen.
Mick Jagger ist fast lebensgroß auf die Leinwand gebannt, ein Idol von umwerfender Dynamik, aggressiv, sexy, wild. Blickt man von unten zu dem von Scheinwerfern beleuchteten Bild hinauf, durchpflügt das Auge eine Kraterlandschaft aus fetter Farbe. Dunkle Furchen, spitzkantige Rillen, gewölbte Grate durchwandert man, ertastet, fühlt die noch riechende Materie, die zentimeterdick auf der Leinwand steht. Wem die Farbe als Materie ein Erlebnis ist, hier fühlt man es. Pechschwarzes Kobalt gräbt sich in graugrünes Nachtblau oder durchkreuzt zinnoberige Tiefen aus Graubraun. Keine Farbe steht für sich allein, sie dampfen, brodeln, gären durchmischen sich. Tritt man ein paar Meter zurück, schält sich der nackte Oberkörper des Stars aus der Leinwand, wahrscheinlich noch schöner als im wirklichen Leben.
Wer Weihnachtsgeld von 22.000 Euro übrig hat, sollte zuschlagen bei diesem malfrischen Bild! Wer es eher melancholisch düster liebt, wird bei Iggy Pop gut beraten sein. In Schleiern und Kaskaden aus Grün, Gelb, Braun sieht der Star verletzlich, fast gebrochen mit defensiver Energie auf den Betrachter hinab neben einem introvertierten und nachdenklichen John Lennon. Man darf gespannt sein, wenn dieses Portrait zum Auftakt der Kulturhauptstadt den Malakow-Turm im Gelände der Zeche Carl ziert, wo die Bewegung mit ihren Ideen begann.
Darüber hinaus stellt Jordan Ruhrgebietslandschaften vor: Den Blick von oben auf den zum Abriss bestimmten Güterbahnhof im Herzen der Stadt, die Schneise aus Schienen, die Essen teilt in Nord und Süd, arm und reich, Grau und Grün. Oder die vielen Stockweiden an Emscher und Ruhr, die zwischen Himmel, Erde und Wasser die Gesichter ihrer knorrigen Stämme und kahle, himmelwärts wachsende Zweige zeigen.
All dies kennt der Anatol- und Beuys-Schüler nur zu genau. In Essen geboren, in der Hachestraße bahnhofnah aufgewachsen hat er die Lebenslinien der Stadt aktiv von den trüben 80-ern bis heute verfolgt, erlitten, gestaltet. Er kennt sie genau. “Heute mit Abstand kann ich sagen, dass dieses klassenlose, utopiefreie Stück Niemandsland, diese Niemandsstadt, Essen-Zentrum, Max-, Hache-, Hinderburg-, Licht-, Akt-, Hans-Böckler-Straße, diese auf seltsame Weise zentrifugierte am Rande jeder Zuständigkeit befindliche Anhäufung von Büroräumen, Mietshäusern und Steinen, die beste aller Möglichkeiten für mich war, um aufzuwachsen....Man muss ankommen. Vielleicht ist das unser einziges Leben in Bewusstsein.“
Die Ausstellung bietet einen kulturhauptstadtwürdigen Höhepunkt aus dem Programm der Galerie, den man nicht versäumen sollte.
Die Preise liegen je nach Format zwischen 3.000 und 25.000 Euro.

Bis 15. 01. 2010, (Weihnachtsferien vom 22.12.-28.12.) Galerie Ricarda Fox, Liverpoolstraße 15, Mülheim, 0208-3787734, 0171-8350042

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