Donnerstag, 28. Januar 2010

Krawatten, Schlüpfer und vibrierende Farben

Klassisch moderne Malerei und zeitgenössische Skulptur gehen in der Galerie Schlag augenzwinkernd ironische Dialoge ein.

In der unteren Etage breitet der 1953 geborene Rolf Behm Licht und Farbe auf Leinwänden aus, die atmen und pulsieren, als könnten sie die Energie der Formen, die ihnen auferlegt sind, kaum ausbalancieren. Dabei ist alles luftig und leicht, die organisch geometrisierten Formen, die lasierenden Flächen und zarten Farbtupfer ebenso wie die scheinbar zufällig hingeworfenen Lichtflecken. Manche sind formlos, andere wachsen sich zu zelt-, höhlen- oder hausartiger Anmutung aus, da sie Dächer, Fenster oder herzfömige Aussparungen bergen, um Einblick, Durchblick, Ausblick auf neue Energiefelder zu eröffnen. Orange und zitronengelb, wasserblau, moosgrün, glutrot, erdig braun, nachtschwarz, die Fülle der Natur kommt auf ihre Kosten und Farben und die Hommage an eine Matisse'sche Malweise auch. Mit dem Unterschied, dass Behm die noch festen Flächen seines großen Vorbildes aufbricht und durcheinander schüttelt.
Was wie Wasserfarbe aussieht, weil es so pastellfarbig und scheinbar leichtlebig fließt, sind Spuren einer Mixtur aus Öl und Acryl, Komponenten, die sich traditionell nicht vertragen, weil sie aus unterschiedlichen Komponenten aufgebaut sind.
Dass Rolf Behm ein Lüpertz-Schüler der allerersten Stunde, sicher aber einer der ersten erfolgreichen ist, mag man an diesem Detail erkennen. Ansonsten deutet nicht viel auf den bekannten Lehrmeister hin.


In der zweiten Etage bietet sich ein anderes Bild. Zwei pralle rote, zwei prall schwarz glänzende BHs, Schlüpfer männlich und weiblich, Kappen, Krawatten und "die schönste Hose der Welt"! Alles hohl, ohne Inhalt versteht sich und aus festem Pappelholz feinst gehobelt. Ein Anzug in Weste, Jacke, Hose zerlegt, liegt da wie nach dem Fest vom Leib gerissen. "Liberté, fraternté, égalité" heißt das gute Stück frisch aus Ebenholz geschält, auch dieses ist leider leer. Auf den fehlenden mode- und selbstbewussten Träger, verweisen Farbe, Form und Oberfläche, sowie die ironischen Titel.
Stoff und Form, das gleichzeitig Einsehbare Innen und Außen der klassischen und ironisch auf die Spitze getriebenen Skulptur sowie die in Japan erlernte, virtuose Beherrschung der Holzbearbeitungstechnik verweisen auf eine grundsätzliche Reflexion der Kunst. Historische Vorbilder, Malewitsch und Serra werden gegrüßt oder auch Daniele da Volterra (1509-66), der sog. Hosenmaler (Braghettone), der im päpstlichen Auftrag die Geschlechtsteile in Michelangelos jüngstem Gericht übermalte.
Der Bochumer Künstler Christoph Platz, der lange in Japan gelebt hat, gehört ebenso wie Rolf Behm der älteren Generation der jungen Maler an. Eine amüsante, gut gelaunte Ausstellung!

Galerie Frank Schlag, bis 19.2.2010, Meisenburgstraße 173, di-fr: 14-­19, sa.: 11-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen