Freitag, 8. Januar 2010

Folkloristischer Wind im RWE Turm

Mit dieser Ausstellung ist es ein bisschen wie mit einem alten Hut. Ein wenig nostalgisch erzählt sie von fremden Ländern und fernen Zeiten, doch der Besucher zweifelt, ob er diese Bilder des Überlebens von Kunst in Russland sehen will oder sich nicht lieber mit näheren Problemen auseinandersetzen will. Aktuell mögen die gesellschaftlichen Zustände in Russland heut leider noch sein, von denen der 1963 in Odessa geborene Künstler Yuri Leiderman  spricht. Ob man sie jedoch hier im RWE -Turm hören und sehen will, ist eine andere Sache. Sehr fremd jedenfalls mutet die
Ästhetik an.

Durch lichte, großzügig gestylte Hallen weht folkloristischer Wind: Drei junge Damen in russischer Tracht lesen ununterbrochen aus einem Puschkin Roman des vorletzten Jahrhunderts, den hierzulande kaum jemand kennt. Winzige Fotografien, wie aus einer Amateurkamera geschossen, hängen rahmenlos an der Wand, sie dokumentieren private, soziale und kunstspezifische Verhältnisse tief im Herzen Russlands: Die Ausstellung von Kunst in privaten Räumen, darüber handschriftlich verzeichnet der Wohlfühlparameter des Künstlers, der diese erlebt und einige organisiert hat. Das dritte Ausstellungssegment, ein aus Pappmasché gezimmertes Schiff, birgt nicht Gestrandete, sondern Menschen, die Leiderman kennt. An Bord der brüchigen Titanic steht er selbst, nicht mit Kate Winslet im Arm, sondern
mit einer Gallionsfigur. Es ist ein laubgesägtes Selbstportrait, aus dem Mund wachsen dem Künstler Hörner.
Wer ästhetisch mehr erwartet, wird enttäuscht.
Gut ist es, wenn RWE in Kooperation mit dem Museum Folkwang Kunst sponsert. Gut ist es auch, wenn die zeitgenössische Szene davon profitiert. Nur muss es gerade die Moskaus sein? Fraglich ist außerdem, warum eine russische, angeblich "renommierte" Position in diese Weg weisenden, sachlich konstruktiven Räume einzieht und dort drei Monate lang wohnt, wenn sie wenig Form und begrenzt innovativen Inhalt zeigt.
Der Künstler selbst hüllt sich in Schweigen, das Statement der Folkwang Kuratorin fällt wortreicher, jedoch nicht viel erhellender aus. Nachzulesen ist es u.a. in der gratis erscheinenden Publikation, die dieses Event begleitet, welches vor zahlreich fragenden Zuschauern eröffnet wurde.

Bilder und ein Vernissagebericht unter: Kulturportal der RWE

Bis 12.02.2010 im RWE Turm Essen, Opernplatz 1, mo-fr 10-18 Uhr

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