Mittwoch, 24. Februar 2010

Bilder von existenziellem Leerlauf


Torsten Holtz ist Porträtist. Die Gesichter, die er malt, erinnern an Landschaften, bizarre vielleicht, durch die der Blick des Betrachters ruhelos schweift, wenn er sich an herkömmlichen Kriterien narrativen Zugriffs orientieren will. Die Personen, die er sieht, wirken vertraut und entrückt zugleich, regungslos in Ausdruck und Bewegung, offen für Deutungen und dennoch verschließen sie sich. Sie erzählen nichts. Keine Geschichte, keine Andeutung aus ihrem Leben, eher geben sie Rätsel auf. Neutral in Kleidung und Haltung stehen sie da, schauen, warten, schweigen in stiller Isolation. Jeder für sich, sei er allein oder unter anderen. Auch die Umgebung gibt nichts Bestimmtes her, liegt uneindeutig leer in neutralem, fast grauem Licht. Außenräume sind es meist, Himmel, Wolken, hin und wieder ein Ast, eine Andeutung von Natur. "Das halbe Leben besteht aus Warten" erklärt der Künstler und versteht dies als Chiffre existenziellen Leerlaufs, die ihn literarisch besonders im Werk Samuel Becketts interessiert. Die meisten seiner Modelle kennt er nicht, hat sie vielleicht einmal flüchtig gesehen. Ihre Physiognomie entsteht im Malprozess, der ein klärender, abstrahierender ist. Skizzen über die Entstehung der Bilder belegen das Verschwinden der Motive beim Malen, das Verblassen der Farben, der spezifischen Details, bis Menschen in individueller archetypischer Pose einfach nur stehen: gefroren in sich selbst, in einem flüchtigen Moment, der im Bild zur Ewigkeit wird. Etwas von der Wirklichkeit Abgewandtes bestimmt die Atmosphäre dieser Bilder, etwas Rätselhaftes, das der Künstler selbst nicht erklären mag. "Um das Interesse für die eigene Arbeit frisch zu halten, muss das Werk auch für mich ein Geheimnis bleiben." Die einzige Stimme die zählt, Richtlinie und Qualitätsanspruch für das eigene Schaffen, ist die seines Lehrer Volker Stelzmann. Ansonsten arbeitet Holtz ohne Vorbilder, wenngleich ihm der schwere "innere Blick" eines Dürer beim Malen vor Augen schwebt. Inhaltlich erinnert seine Darstellung an Formen des magischen Realismus, formal an die Oberflächen glättende, Details reduzierende Malerei der Neuen Sachlichkeit. Galerie Klau Kiefer, bis 28.4., Rü 56, di-fr 11-18.30, sa 10-14 Uhr, 788266

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