Donnerstag, 11. März 2010

Halluzinationen von hohem Realitätsgehalt


Pop-Artig vermalten Fotorealismus stellt der in Berlin lebende Grieche Jannis Markopoulos in der Galerie Klose vor, Bilder in wohnfreundlichem Format, die mit leuchtender Farbe und  ironisch surrealen Denkspielereien erst so richtig in Fahrt kommen.
Kunstgeschichtliche Anspielungen zitieren sie, fabulieren und fantasieren, so dass hergebrachte Denk- und Deutungsmuster in Bewegung geraten und sich verflüchtigen. So wie die Motive in seinen Bildern sich auflösen wie im Sog einer riesigen unsichtbaren Staubsaugerdüse, z.B. in der "Hoover-Serie", ein Löwe steht mit wehender Mähne im Gegenwind, Granatapfelsplitter fliegen durch die Luft, ein Zebra verformt sich und Turmspringerinnen geistern in artistischen Bewegungen winzigklein durch Bildgründe, ohne dass die Balletttänzerin oder eine Christus ähnliche Figur sich davon berühren lassen. Werden hier Bildzitate von Altmeister Dali dekontextualisiert, gesellen sich woanders die von Beuys, Degas, Monet, dem Barock und der Renaissance dazu. Das alles findet in perspektivisch gedehnten Museumsräumen statt, nicht nachts wohlgemerkt, sondern bei vollem Tageslicht! Unter barockem Vanitasglanz mutiert der Boden zu einem Monet'schen Seerosenteich, bevölkert von barbusig badenden Nymphen und einer Giraffe, die zerrspiegelartig herangezoomt genüsslich daraus trinkt.
Manch ein Bild der "Vorschläge für Museumsinstallationen" könnte aus Wachs als Raumintervention hergestellt werden. "Illusionäre Halluzinationen" denkt sich der Künstler aus, "absurd sowohl im realen, als auch im menschlichen Sinn" und dennoch von hohem Realitätsgehalt. So wie die "sleeping alliance", ein Ensemble von drei Bildern unterschiedlichen Formats in unregelmäßigem Winkel gehenkt. Es zeigt Angela Merkel im Sessel gerade eingenickt, ein Mädchenbild aus dem 19.Jahrhundert und der Blick auf eine Kompanie schlafender Soldaten im Flieger auf dem Weg nach Afghanistan. Realität und Absurdität gehen hier eine solch bizarre Verbindung ein, dass die turbulenten "Magic Comics" Bilder, gemalt und am Computer generiert sich hiergegen fast real ausnehmen.

Bis 15.4. , Galerie Klose, Zweigertstraße 7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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