Mittwoch, 10. März 2010

Laurentz Thurn



...ist ein agiler, beredter, zupackender Mann, ein Künstler, der mit Theorie und Praxis im Leben steht. Der gebürtige Ungar ist Zeichner, Graphiker, Maler, Werbedesigner, wohnte in Hamburg und verzog nach New York. Dort belebt er seit zwanzig Jahren ein Atelier in Harlem und hat alles, was er für seine Bilder braucht: einen Mikrokosmos höchst unterschiedlicher Menschen. Der Rest seiner Motive entsteht im Kopf, unterwegs oder im Skizzenblock.
Seit er die Farbe Schwarz nicht mehr aus Farben mischt, sondern fertig aus der Tube auf die Leinwand bringt, hat sich seine Malerei um die zeichnerische Dimension erweitert. Um die Linie, das graphische, das konturierende Element, womit er den Gegenstand abstrahiert, denn Form und Proportion sind grundlegende Elemente der Zeichnung. Der Rest seiner Kunst ist Malerei und die Fähigkeit des Sehens. Malerei konkretisiert den Gegenstands, erfasst seine Essenz, so wie Giacometti es als Bildhauer macht, wenn er das Wesen einer Figur zu einem schrundigen Raumzeichen komprimiert. Ebenso verfährt Thurn in der Malerei. Die Farbe konzentriert, was wir in Wirklichkeit nicht wahrnehmen. Konzentriertes Farbmaterial steht kompakt gespachtelt auf der Leinwand. Erst aus der Distanz erkennt man den Gegenstand, indem man die Bezüge seiner Umgebung addiert. Thurn fügt es als grafisches Element der Malerei hinzu.
Seine Art der Wahrnehmung erläutert der Künstler mit einem Beispiel. Schwimmend im indischen Ozean erkannte er aus großer Entfernung am Strand im grellen Gegenlicht eine Figur. Proportion, Ausdruck, Gangart? Es musste ein Bekannter aus Hamburg sein, den er seit Jahren nicht mehr getroffen hatte. Er misstraute seiner fixen Idee und trifft genau diesen Menschen zwei Tage später an jenem Ort. Wie sieht man Dinge? Wie erkennt man sie? Warum vertraut man dem Sehen nicht?
Um diese Fragen kreisen die Bilder der Ausstellung. Klein- und großformatig, aus mehreren Leinwänden zusammengefügt, stellen sie in leuchtenden Farben kulturelle Unterschiede von Menschen bei der Arbeit dar. Die Frachtcontainer im Hamburger Hafen sind geordnet und grafisch genau erfasst, die Menschen dagegen malerisch reduziert auf Arbeitskleidung und Gesten voller Konzentration. In New York stehen Latinos und Farbige mit ihren Sicherheitskappen entspannter da. Eine breit angelegte, farbig und formal einladende Ausstellung.

Galerie Ricarda Fox, bis 27.3. 2010, mo, di 15-20, fr 15-19, sa 12-18Uhr, Liverpoolstr. 15, Mülheim, 0208-3787734

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