Mittwoch, 31. März 2010

Melancholie und Groteske


Es ist dieser Blick aus unendlich dunklen Augen, mit denen die Künstlerin aus dem Bild den Betrachter fixiert. Es ist ein tiefer, melancholischer Blick ins Ungewisse aus einer verschlossenen Innenwelt, der kaum bis nach draußen dringt. Auch in der Körperhaltung verharrt die junge Frau regungslos, eingefangen in einem Augenblick introspektiven Schauens. Horcht sie auf eine innere Stimme vielleicht?
Zum freudigen Anlass, dem zehnten Jubiläum der Galerie, präsentiert Marcela Böhm eine schwermütige Ausstellung, fast eine Retrospektive ihres erfolgreichen Werks, in dem Erinnerungen aus ihrer Jugend- oder Collegezeit in Buenos Aires, kurz bevor sie Argentinien verließ, vorbeiziehen. Der manchmal zornig sarkastische Blick, mit dem sie in der letzten Ausstellung ihre urbanen Beobachtungen zwischenmenschlichen Verhaltens kommentiert, scheint dieses Mal von einer gewissen Portion Wehmut überlagert, introvertierter und auf die eigene Befindlichkeit gerichtet zu sein. Die Außenwelt fungiert als Spiegel subjektiver Wahrnehmung.
Von der Motivik scheint die Welt intakt. Familien-, Wohnzimmer-, Freizeitszenen, flüchtige Eindrücke des Alltags fängt sie in Selbstportraits und Freundschaftsbildern ein. Doch die Menschen verharren regungslos, wie eingefroren erscheint diese Welt, die sich abspielt zwischen heimischen Spiegelwänden und steinernen urbanen Architekturen: Hochhaussilos, manchmal die Andeutung von Natur.
Die Menschen, die die Argentinische Künstlerin beschreibt, sind alles andere als schön. Kleine Leute ohne besondere Merkmale, so wie das Leben, das sie führen. Besonders werden sie, wenn Marcela Böhm sie liebevoll überzeichnet, beim Malen den Pinsel laufen läßt. Dann bekommen sie in ihrer isolierten Einsamkeit ihre Würde zurück.
Verschiedene Malweisen zitiert die Künstlerin, auch das mit einer gehörigen Portion Ironie. Pop-Artige grafische Lineaturen, Bildpartien ohne jedes Detail, expressiver oder flächiger Pinselduktus, kippende Perspektiven und ornamentale Muster gehen in ihre Bilder ein.
Zur Erinnerung an die fast ausverkaufte Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Bis 30.04, GAM Obrist Gingold Galerie, Kahrstraße 59, di,do,sa 10-15, mi,fr 12-19 Uhr

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