Dienstag, 30. März 2010

Traurige Tropen und andere Paradiese


Wer kann ihnen widerstehen? Den tropischen Blüten, Schmetterlingen, Paradiesvögeln, kulleräugigen Pandabären, den exotischen Farben und traumhaften Perspektiven, die zusammenfügen, was sonst auseinanderfällt. Die neuen Bilder von James Larsen, verführen unsere Sinne, die Wahrnehmung und Phantasie, indem sie vorgaukeln, was es schon lang nicht mehr gibt, und von dem auch der Künstler weiß, dass es ein Trugbild ist. Der Wunsch nach unberührter Natur, nach einer intakten Welt, der Einheit des Menschen mit sich selbst und der Natur.
Doch dieser Künstler ist nicht brutal, er tröstet uns. Er ist humorvoll, steht mit zwei Beinen im Leben, hat Spaß, seine Bilder zu signieren. Das hat er oft und zum Vergnügen der Käufer auf der Vernissage getan: "This is the property of..."
James Larsen tröstet uns. Er weiß, dass er verlorene Paradiese malt, verdrängte Sehnsüchte und berechtigte Wünsche mobilisiert. Dass die Welt anders ist, ist nicht seine Schuld, doch die des Betrachters, wenn sie so bleibt. Der Künstler jedenfalls drückt sich deutlich aus, wenn er Zivilisationsbrüche, kulturelle Desiderate, fehlgeschlagene Hoffnungen und den Menschen in falscher heimeliger Idylle malt.

Der Wahlaustralier mit skandinavischen Vorfahren, einer Kindheit in England und Australien und Studienaufenthalt in Indien kennt das Gefühl nicht zu Hause zu sein und bewahrt die Spuren seiner kulturellen Wanderungen in seinen großformatigen Bildern und für die Ausstellung eigens gefertigten Collagen. Asiatische Anklänge finden sich in flächigen sanften Horizonten und Zitaten chinesischer Tuschezeichnungen oder japanischer Holzschnitte, pop-artige Lineaturen deuten ironisch an, was der Künstler ausspart und der Betrachter assoziiert. Dann wiederum tauchen ausdrucksstark haptische Strukturen auf und interkulturelle Stereotypien wie das asiatische Teehaus, der amerikanische Wohnwagen, der scout am Rande der Zivilisation oder die zu laut lachende Familie mit sorgsam gescheitelten Knaben und blond bezopften Mädchen.

Unbedingt anschauen, in diesem großformatigen Überblick und der eindrucksvollen Farbigkeit wird man den australischen Künstler hierzulande so schnell nicht wieder sehen.

Bis 30.4., kunst-raum, Rü 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen