Mittwoch, 28. April 2010

Eine Kunstkartografie, Killermücken und Riesenbananen vom Spraymeister Thomas Baumgärtel


Thomas Baumgärtel, der in Rheinberg geborene Bananensprayer, wie man ihn mittlerweile salopp nennt, widmet sich dem Revier. Anlass ist die Ernennung der Region zur Kulturhauptstadt, Grund genug für den Kölner Künstler zu forschen, was sich dahinter verbirgt.
Mit mehreren Projekten gleichzeitig tritt er auf: Die bekanntesten sind die geplante Platzierung der Banane auf Zollverein und dem Gelände Phoenix-West in Dortmund, dem er sein fruchtiges Signet aus Stahl, 30 Meter groß, in 65 Metern Höhe weithin leuchtend auf die Fahnen schreiben wird. (Mai 2010 zur Eröffnung der "Transindustriale" in der "verbotenen Stadt")
Nicht unumstritten, jedoch prägnant und polarisierend sind diese Aktionen, ebenso wie die Erstellung einer Kunstkartografie Ruhr. 100 Bananen sprüht er auf Außenwände von Museen, Galerien, Kunstvereinen zur Kennzeichnung der Institutionen, die sich seiner Meinung nach um die Förderung von Kunst in der Region in besonderer Weise verdient gemacht haben. "Innovation, Interesse für und humaner Umgang mit Kunst" sind die Kriterien, nach denen er sein sonnengelbes Signet vergibt, eines, das vernetzend wirkt, aberkannt oder gesprengt werden kann, wenn die sozialen Beziehungen, aus denen es entstand und die es indiziert, sich ändern.
In Bergisch Gladbach (Villa Zanders), in Unna, Bensberg sowie in Mühlheim und Essen, den Schauräumen der Galeristin Ricarda Fox, kann man seine bei allem Humor hochkünstlerischen Arbeiten sehen. Wer Baumgärtels Kunst kennt und schätzt, kann hier Neues entdecken, wer wegen des populären Images an ihr zweifelt, wird sein Urteil bestimmt revidieren.
In Essen im K29 dokumentiert der Konzept- und Aktionskünstler die Wandlungs- und Anverwandlungsfähigkeit seiner Kunst: Die Zollverein-Banane in unterschiedlichen Farben von strahlend poppiger Ausdruckskraft, die Papst-Banane auf falschem Tafelsilbertablett, ein melancholisches Bananen-Auge auf Aluminium oder die Kulturhauptstadt-Banane auf einem Müllcontainer werden ausgestellt. Daneben gibt es witzige, kleinformatige Metamorphosen auf Leinwand und Stahlschubladen.

Weiter geht's in den lichten Mülheimer Galerieräume in der ehemaligen englischen Kaserne, heute zum Highlight moderner Wohnarchitektur umfunktioniert. Auf überhohen rauen Holzplatten sieht man den Künstler mit gebundenen Händen als Sträfling, auf großen Leinwänden die Kunstkartografie Ruhr, die Zollvereinbanane oder die "Muckbanane". Hier zeigt er seinen comicartigen Zeichen- und Malstil perfektioniert zur technischen Meisterschaft: Schablone über Schablone gesetzt, weiche Sprühnebel, die harte Schlagschatten flankieren, darüber eine schwarz konturierte Riesenmücke. Der Anlass hier war ein privater, ein von Mücken verseuchtes Apartment in Köln und ein eigenwilliger Vermieter....

Galerien Ricarda Fox, K29 Essen, Kreuzeskirchstr. 29, bis 5.05.2010, Mülheim Liverpoolstr. 15 bis 11.06.2010, 0208-3787734

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