Freitag, 21. Mai 2010

Blumenkinder, Bergsteiger und Wirtschaftswunder



Farbe pur, prachtvolle Blüten im Großformat, Blumenkinder und solche des Wirtschaftswunders, Bergsteiger-, Aktbilder und betörende Portraits aus dem Reich der Mitte ziehen mit Martin Herlers Arbeiten in den kunst-raum ein! Sie treiben die Stimmung hoch und nebeln traurige Momente ein, die als Subtext unter diesen schönen Bildern schwelen. Denn Martin Herler wäre kein Künstler der Galerie des Colmar Schulte-Goltz, wenn er nicht Kritisches hinter dem Bekenntnis zur Ästhetik des Schönen verbergen würde.
Kunsthistorische Gattungen werden vom Künstler gekonnt zitiert, fröhlich leergemalt und neu besetzt: Mit dem Schein und den falschen Versprechen einer turbulenten Konsum- und Werbewelt, die immer schneller, weiter und bunter ist als die Klientel, die ihr nachfolgt und an sie glaubt.
Martin Herler ist Jungstar und Ben Willikens’ Meisterschüler, ohne dem Purismus des großen Lehrers aus München nur einen einzigen Pinselstrich zu widmen. Zu eigenständig und farbig formuliert er seinen individuellen Duktus, der Reales und Fiktives verbindet, Altes verwischt und mit Neuem verschmilzt, der vor keinem Material als Malgrund Halt macht, auch nicht vor kitschigen Tüchern und Textilien, die der Künstler in einer geerbten Villa fand. Wenn er malt, z.T. nach Musik, die seine Kompositionen lenkt, scheint alles zu eigener Farbe zu gerinnen, die sich wie ein Schleier vor kunsthistorische Traditionen legt, ohne sie jemals zu negieren.

In seinen Portraits von Familien im Wirtschaftswunderland dekuvriert Herler einen Mythos, der heute nicht mehr zieht. Erstarren lässt Herler das Grinsen der fröhlichen Hausfrau, der lustigen Kinder und beflissenen Väter, zu schön malt er die nackten Körper und schnellen Autos, die Idylle im Garten, am See im Grünen, zu hoch den unbeschwerten Schwung auf der Schaukel oder das Gewehr der chinesischen Patrioten. Mit der Ästhetik der weich fließenden Farben friert er jeden falschen, dissonanten Unterton ein.

Authentisch und am wenigsten aufrührerisch wirken die Portraits und Blumenbilder, dort wo die Farbe sichtbar gesteigert ist. Denn hier leuchten die Fassaden so unverblümt schön, dass das Misstrauen keiner weiteren Steigerung durch Ironie bedarf.


Bis 4.07. 2010, kunst-raum Schulte-Goltz+Noelte, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr

1 Kommentar:

  1. Interessanter Beitrag; war sehr informativ.
    Es lohnt sich immer wieder hier vorbeizuschauen.

    Danke

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