Samstag, 22. Mai 2010

Tonnenschwere Bilder und Steinkissen



Ein Kissen aus Stein lädt zum Verweilen, ein Bild an der Wand zum Betasten seiner rauen Oberfläche ein, spiralförmig gewundene Skulpturen erzwingen Bewegung, will der Betrachter den Sinn dieser Objekte im wahren Sinn des Wortes begreifen.
Dieter Kränzlein ist Steinbildhauer der ganz besonderen Art, ohne Attitüde, ohne jede große Geste nach außen. Eine spektakuläre Form, auf Hochglanz poliertes Material benutzt er nicht, denn seine Objekte beeindrucken durch sich selbst, durch Ruhe, Ausgewogenheit und die natürliche Beschaffenheit des Materials. Das allerdings fördert er durch ebenso aufwändige wie unscheinbare Weise mit hoher Kunstfertigkeit zutage.

Federleicht wirkt so ein pulsierendes Bild aus Stein und doch sind die Werke sperrig, manche von ihnen bis zu einer Tonnen schwer. Aus Viereck und Kreis, reduzierten geometrischen Grundformen und aus Muschelkalkstein konstruiert der Künstler sie und geht in seiner Arbeitsweise mit jedem Schritt auf die ursprüngliche Form und Beschaffenheit seines steinernen Fundstücks ein. Dann erfolgt die Bearbeitung der Oberflächenstruktur. Feine Linien und Kerben, schnurgerade, mit leichtem Schwung oder rechtwinklig gekreuzt gräbt er ihnen ein, bis die Haut der Skulptur aussieht wie die Kreuzschraffur aus eines alten Meisters Hand oder eine der Studien Mondrians zum “Broadway-Boogie-Woogie“. Dabei entwickelt sich die Farbe ganz aus dem Inneren des Materials, bis sie leicht glänzend, meist jedoch matt auf der Oberfläche und den einsehbaren Tiefenschichten des Steines steht.

Der Arbeitsprozess sorgt manches Mal für Überraschungen. Wenn Grau- und Brauntöne wie auf einem abstrakten Bild fließend ineinander übergehen oder spröde Stellen dem feinen Meißel Einhalt gebieten, weil sonst ein Bruch im Stein entsteht, durch den die Arbeit ihre Haltbarkeit verlieren könnte.

Der 1962 in Stuttgart, heute in Bissingen lebende Künstler absolvierte seine Ausbildung zum Steinbildhauer von 1982-85, von 1985-89 arbeitete er als Privatschüler von Franz Dàkay, seit 1989 ist er freischaffend tätig.

Bis 19.06. 2010, GAM Galerie Obrist, Kahrstraße 59, di-fr 12-19, sa 10-15 Uhr

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