Donnerstag, 17. Juni 2010

Metaphysisch entrückte Gemälde von Walter Eisler

Diese verlassenen Wohn- und Industriebauten, sie liegen ganz einfach da: geduckt im Schatten der Vorstädte, isoliert in gleißendem Licht, eingereiht in unwirtliche Straßenzüge, wo nichts passiert, noch nicht oder nicht mehr.
Ob früh morgens oder Abend, das farbige Licht, die Stimmungen bleiben zwielichtig, die Ortschaften regungslos, ohne jede Spur von Betriebsamkeit. Herrschaftliche Wohnhäuser, Schalthäuser, ein geschlossener Supermarkt, menschenleere Nischen unter Highwaytrassen, überall schleichen sich schräge Perspektiven und wundersame Verrückungen ein.  Manche dieser plastisch gemalten, in die Fläche gezwungenen, steinernen Kolosse sehen abweisend aus, andere, als wollten sie erwachen zum Leben, das offensichtlich stattfindet anderswo. ­ Merkwürdig ferne, still entrückte Zustände drücken sie aus diese verstummten Zeitzeugen der Vergangenheit.
Die Motive, "architektonische Fundstücke", entdeckt Eisler auf Reisen, die hier ausgestellten stammen aus den USA und Europa. Metaphorische Bedeutung entfalten sie spätestens dann, wenn die zum Teil angedeuteten, metaphysischen Stimmungen visuell ausgesprochen werden; wenn der Künstler einen backsteinernen Turm, an dem Bauarbeiter von verschiedenen Seiten ziehen, kippen lässt und ein Königsportrait zur Hälfte zum Vorschein kommt. Das königliche Schach, ein Spiel um Leben und Tod, fungiert hier als existenzielles Gleichnis der Welt.
De Chirico und Hopper haben Pate gestanden, doch sind  diese  Bilder des 1954 in Leipzig geboren Künstlers weit entfernt von Epigonentum. Zu zeitgenössisch, virtuos und strahlend der Farbeinsatz, zu eigentümlich und eigen ist die persönliche Handschrift des Künstlers. In den Selbstportraits sieht man ihn in der fragenden, selbst reflektierenden Pose der Klassiker, im Dreiviertel Portrait mit Hut und Pinseln, ein skeptisch zweifelnder Künstler, der sich von dem prägenden Einfluss seines Vaters Bernhard Heisig ebenso befreit hat wie von dem seines Lehrers Volker Stelzmann. 

Bis 28.08, Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 11-18.30, sa 10-14 Uhr

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