Samstag, 5. Juni 2010

Romantisches Naturschauspiel



Diese weich fließenden flauschigen Nebel hat der Künstler nicht geplant. Doch als sie aufzogen in seinem sonst hartkantigen fotografischen Werk, gab er ihnen Raum: Wald, Wiesen und Dörfer zu schlucken, Meere oder Gebirgszüge zu verhüllen, so dass der Betrachter vor den Weiten einer grenzenlosen Landschaft schwankt. Und sich vielleicht einlässt auf die “Essenz“, die Peter Schlör in seinen archetypischen Fotografien zu erfassen sucht.
C.D.Friedrich steigerte die Erfahrung romantisch mystischer Ferne, indem er seinen Gemälden magische Kulissen in stimmungsvollem Licht ausbreitete, Menschen zur Staffagefigur verkleinerte, um die Natursehnsucht im Bild zu steigern und mit religiöser Bedeutung zu unterlegen. Doch der Mannheimer Künstler, der C.D. Friedrichs Werk bestens kennt, weist jeden Verweis darauf und die religiöse Ikonografie zurück. Peter Schlör kommt es auf das “Wesen der Landschaft“ an, deren erhabene Größe und flüchtige Erscheinung er in Fotografien von archaischer Ausdruckskraft bannt. Gesteinsformationen wie Dinosaurierhaut, zart weiße Wolken vor schwarzem Grund, Formen von Natur- und Kulturlandschaften stilisiert er mittels digitaler Fotografie zu zeitlosen Kulissen. Künstlich, in reduziertem Schwarz-Weiß liegen sie da, weil Farbe, so der Künstler, Wahrnehmung eben nicht konzentriert, sondern emotional unterwandert.
Die meisten seiner kontrastreichen Aufnahmen hat Peter Schlör auf den Kanaren gemacht. Langes Warten auf passendes Licht gehört dazu, obwohl das Material digital bearbeitet wird. Denn “nur so gelingt ein kunstvolles Bild“, befreit und bereinigt von allem Überflüssigen, Beliebigen, eine Fotografie, die ihre zeitgenössischen technischen Mittel nutzt und nicht nostalgisch im Analogen verweilt.
In dem begleitenden Katalog kann man den mehrfachen Abstraktionsprozess übrigens gut nachvollziehen.

Bis 3.07., GAM Galerie Obrist am Museum, Kahrstraße 59, Di, Do, Sa 10-15 Uhr, Mi, fr 12-19 Uhr

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