Samstag, 3. Juli 2010

Farbenergie aus geometrischer Form

Mit Chen Ruo Bing beweist Frank Schlag wieder einmal mehr sein Gespür für Innovation aus Fernost. Abstraktion ist auf dem Vormarsch, und zwar nicht die gestische der Kalligraphie, die in China und Japan traditionell verwurzelt ist, sondern eine ungegenständliche, in Farbfeldern pulsierende, strahlende, ähnlich der, die wir hierzulande von Marc Rothkow oder Gotthard Graubner kennen. 

Und tatsächlich: Der 1970 in China geborene Absolvent der Academy of Fine Arts Hangzhou hat zunächst Kalligraphie und chinesische Malerei studiert. Mit 22 Jahren zog er nach Deutschland, dann in die Kunstakademie Düsseldorf und dort in die Klasse seines Lehrers G. Graubner ein. Ein zweijähriges Artist in Residence Stipendium folgte in der Josef und Annie Albers Foundation in Connecticut, dann eine zielstrebige Ausstellungstätigkeit und der Erfolg auf dem Kunstmarkt mit ebenso einfach wie unscheinbar wirkenden kleinen und großen Formaten. 

Fast 30 Exponate sind in der Galerie Schlag zu sehen. Flächig gemalte, energetisch aufgeladene, gelbe Farbfelder, aus der Mitte her leuchtend, ausstrahlend auf den meist hellgrauen Grund finden wir vor, gebündelte Farbenergie aus geometrischen Formen, die ihre Regelmäßigkeit und damit jeden definierbaren Formbezug ironisch ad absurdum führen. Denn die Ränder sind unregelmäßig und durch den Bildrand  abgeschnitten und all das, was der Betrachter assoziiert, bleibt subjektiv. Objektiv, unbestreitbar ist die Leuchtkraft der Farbe, die Bewegung aus der Mitte zu den Rändern hin zeigt, die Energie einfängt und ausstrahlt, und die Malerei vom Gegenständlichen in reine Materie überführt ­ und entmaterialisiert. Eine Farbenergie, die ausgeht vom Bildkörper und ausstrahlt ins Innere dessen, der auf sie reagiert. 

Galerie Frank Schlag & Cie., Meisenburgstr. 173, Essen

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