Donnerstag, 22. Juli 2010

Highlights zur Kulturhauptstadt

"Highlights zur Kulturhauptstadt" begrüßen die Besucher in der Galerie "kunst-raum". Mit 27 Positionen präsentiert Colmar Schulte-Goltz eine breit angelegte, sich ständig erneuernde Übersichtsschau, denn jedes verkaufte Bild wird durch ein neues desselben Künstlers ersetzt. Neben bekannten Positionen präsentiert der Galerist Neueinsteiger: Den Essener Lokalmatador Wolfgang Kleber, der neben Schwarzweiß-Fotografien der 50er Jahre unbemerkt solche hängt, die gerade entstanden sind. Ein Grund mehr genau hinzuschauen, denn jedes Bild der Ausstellung spielt mit den unscharfen Sehgewohnheiten der Besucher: Indem es historische Kontexte und Darstellungstechniken vermischt, indem es in scheinbar konventionellem Malstil kritisches Potenzial versteckt oder in moderner Technik überholte Traditionen leer laufen lässt. 
Neu hinzugekommen sind Künstler, die 2010 im "kunst-raum" ihr Debüt feierten oder noch feiern werden. Angela Schilling hat dieses Jahr Einblick in ihr Werk gezeigt mit silbern metallischen Crash-Skulpturen, entstanden aus Kollisionen von Vögeln mit Autos. Sie erweitert sie jetzt mit Pistolengipsreliefs, der Titel "Love at first sight". Auf andere Künstler dürfen wir ebenfalls gespannt sein. Michael Decker, Alpay Efe, Jan Holthoff, Patrizia Lohmann und Vittorio Zombardi sind ebenfalls neu dabei. 
Zombardi verwandelt bereits jetzt die hohen, weißen Räume in eine Galerie der Schönheiten in Hochovalen in Öl auf Holz, indem er Stars seiner Zeit in historische Kontexte von gestern transportiert. Lady Gaga erscheint als mondäne Rokokodame,  Bo Derek als Heiligenfigur des 18. Jhdt., wobei der Italiener Gestik und Mimik der Stars haargenau erfasst. Alpay Efe stellt wartende Jugendliche, vermutlich türkischer Herkunft in einer Subway-Szene vor dramatischen Lichteffekten dar und kontrastiert eine barock anmutende Malweise mit aktuellen Problemen von Migration. Der Baselitzschüler Klaus Schneckenbach geht in seinen Skulpturen ironischer vor: Ein "Iron-Man", martialisch tätowiert und aus rohem Holz geschnitzt, trägt auf dem Rücken ein Kind. Zum Schutz gegen die Außenwelt oder schützt er das Kind im Mann? 
"Jede große Ausstellung braucht einen Turm" und so baut Roland Schmitz seinem Galeristen einen 2.60 m hohen, knallroten aus Edelstahl im Latexgewand. Im  Schaufenster tummelt sich derweil das "Leipziger Allerlei", magere, ausgedörrte Hunde, fast schon Hyänen des Kunstmarktes, die einen großen unverdaulichen Haufen davon übriglassen. Vieles noch gibt es zu sehen, gehen Sie ganz einfach hin!

Bis 28.8. 2010, kunst-raum, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr

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