Freitag, 16. Juli 2010

Realismus pur


Wahrnehmungstäuschung pur wird in der Galerie Klose gezeigt, hyperrealistische Skulpturen der international bekannten, 65-jährigen Amerikanerin Carole A. Feuerman und ironisch realistische Bilder in Mischtechnik des Bremer Künstlers Jub Mönster. Beide Positionen geben Anlass zum Wundern darüber, ob das, was wir sehen, der Wirklichkeit oder den Wahrnehmung täuschenden Techniken der Kunst entspringt.

Hautporen, Sommersprossen, Adern, Wassertropfen, Fingernägel, Behaarung, selbst die Badekappen der Schwimmerinnen lassen “Echtheit“ vermuten, doch sie sind es nicht. Die Biennale Künstlerin Carole A. Feuerman erweist sich als Perfektionistin im Täuschen über die Natur, denn natürlich ist an ihren Arbeiten nichts - allenfalls der haptische Impuls des Betrachters, die farbigen, fast lebensgroßen, lebendig anmutenden, Figuren und Figurenausschnitte zu ertasten. Die Arbeiten aus Kunststoff und Bronze strahlen Konzentration und Dynamik aus, obwohl die jungen Mädel an der Schwelle zum Erwachsensein in sich ruhen und mit geschlossenen Augen einem Moment privaten Glücks nachspüren.

Die Künstlerin konnte von der Galerie neu ins Programm genommen werden, doch Vorsicht, ihre Arbeiten sind teuer.

Jub Mönsters Gemälde überraschen durch experimentierfreudige Technik und die ebenso subtile wie augenfällige Verfremdung alltäglicher Kontexte. Realistisch gemalte Staffagefiguren, detailreich und klein, wandern, Schlagschatten werfend, umher in flächig reduzierten, ebenso alltäglichen wie surrealen Räumen. Ein Badestrand ruft Assoziationen an Kasernierungen auf, die Flaschenabfüllfabrik ein bunter, entspannter Alptraum im Räderwerk der Menschen verschlingenden Metropolis. Richard Oelze im Bergsteigeroutfit, Georg Baselitz, ein Knabe von heute, sie malt Mönster auf dem  Kopf, aber eben nicht so, als seien sie ein Plagiat des großen Meisters Pinselstrich.

Ironie geht ein, wo die Kunst sich schon am Ende glaubte. Ein Besteck-Stillleben, Messer, Gabel, großer Löffel, kleiner Löffel nebeneinander aufgereiht, lässig aus Mönsters Hand mit Kuli schraffiert, lässt die Blautöne Delfter Keramik blass erscheinen. Fensterrollos, Resopal- und Schiefertafeln oder Fußbodenbeläge aus des Künstlers Atelier, kein Material scheint sicher zu sein, nicht als Malgrund eingesetzt und bildfertig verarbeitet zu werden. Auch dies ist ein Grund, warum Mönsters Arbeiten trotz hoher bis surrealer Verfremdung natürlich und selbstverständlich erscheinen.  

Bis 28. 6. , Galerie Klose,  Zweigertstr. 3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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