Donnerstag, 9. September 2010

Boys and girls

Leuchtend die Farbe, expressiv die Form, "Boys and Girls"lautet der Titel der Schau. Eine wohl inszenierte Ausstellung ist die Kombination der Malerei von  Stephan Geisler mit der Skulptur des Lüpertz-Schülers Jörg W. Schirmer. Zwei ausdrucksstarke Positionen begegnen sich und zeigen, welch produktive Verbindung unterschiedliche Medien eingehen können, wenn sie sich stimmig zu einem Gesamtkunstwerk ergänzen.
Stephan Geisler ist Newcomer im Programm der Galerie, ein Anfänger ist er deswegen nicht. Grafik, Design, Malerei hat er studiert und testet virtuos deren Grenzen aus. Als Malgrund auf der Leinwand dient Stoff. Gemustert, strukturiert, zu Fetzen zerknüllt saugt er Farbe auf, stößt sie ab, zieht sie an und hindert deren freien Verlauf. Es ist ein "Abarbeiten der Grenze des Materials", ein Prozess, der den Künstler zwingt, die Dynamik seiner Motive genau im Auge und auf dem Bild festzuhalten. Schnappschüsse und "schnelles Shooting des Models", dann setzt die systematische Auseinandersetzung ein, die auch dazu führen kann, dass der Maler das Interesse an seinem Motiv verliert. Nichts geht dann mehr, denn zu kompromisslos formuliert Geisler seine Emotion im Bild. Sinnlichkeit, Lust, Erotik, Rückzug und Dynamik drückt er in medienwirksamen Haltungen aus, Boys and Girls, die verführen und alles andere als schüchtern sind. In Posen, Drehungen, aufreizenden Winkeln stehen sie da, manche in Ausschnitten fast lebensgroß. Verfremdende Schriftzüge ziehen über her, eröffnen dem Bild eine neue Deutungsdimension. 
Was bei Geisler die Emotion, ist bei Schirmer die Ironie. Auch seine Figuren, kleine  bis raumhohe, gehen den Betrachter offensiv an: Ein Riesenfuß, eine überlanges, weich geschwungenes Bein, eine Hüfte, eine hantige Hand, Torsi geschliffen, gekrümmt, gedreht. Wie mit einem Zoom verzerrt Schirmer Perspektiven und plastische Volumina, staucht, streckt, dehnt sie, bis sie dem Ausdruckswillen seiner Hand unterliegen. Brüchiges, morsches oder edles Birkenholz verwendet er, weicht es ein und auf, kontrolliert Maserung und Materialstärke im Auflösungsprozess. Danach setzen Trocknung und Bearbeitung mit Hammer, Meißel, Säge ein, dann folgt der Firnis mit Farbe oder Lasur. Wie sicher der Essener Künstler sein sperriges Handwerk beherrscht, zeigt jede der ausgestellten Arbeiten in lässigem Understatement und subtiler Ironie.
Eine greift auf Heidi Klum zurück, die lasziv ihre Bikinihalterung schnacken lässt. Eine andere verweist auf eine klassische Akthaltungen, Kunst- oder aktuelle Werbeposen. Über allem schwebt warnend der Krisenengel, ein Hermaphrodit aus Holz, einem modernen Zwitterwesen gleich.
 
Bis 28.09., Galerie Klose, Zweigertstr. 3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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