Dienstag, 12. Oktober 2010

Botticelli Engel in Jeans

Schüchtern sieht sie aus, das blutjunge Modell, ein Botticelli Engel in Jeans. “Das war sie, als ich sie kennen lernte“ bestätigt der Künstler und verweist auf ein Bild, das zwei Jahre später entstand. Dieselbe Frau in ähnlicher Pose sitzend im Stuhl, aufrecht, entspannt, nun in hautenger Lederhose und den Blick selbstbewusst auf den Betrachter fixiert.
Es sind bestimmte Typologien in einem charakteristischen Moment in zeittypischer Pose erfasst, psychologische Situationen, in denen sich das Modell dem Künstler stellt. Peter Handel interessiert sich für die Veränderungen und Entwicklungen, die eine Person nimmt. Er studiert sie in Gestik, Ausdruck, Mimik, in Abfolgen von Fotos, aus denen er, auch gemeinsam mit seinem Gegenüber, die Vorlage selektiert. Schön sind die Frauen, die er malt, sitzend, kauernd, im Ausschnitt, als Portrait, Teil eines Stillebens oder Interieurs erfasst.
Intensiv gelingen dem Künstler untypische Momente von zeitloser Schönheit, wenn er Utensilien seines Ateliers, eine Fotovorlage an die Leinwand gepinnt, ein gläsernes Behältnis mit Pinseln oder eine Palette randvoll mit Farbe mit Frauendarstellungen zu Stillleben vermalt. Besonders in kleinen Formaten konzentriert sich Zeit atmosphärisch dicht wie ein geronnener Moment.
Neben dem weiblichen Portrait fächert die Ausstellung andere Aspekte im Werk Peter Handels auf. Figurative Straßenansichten im Sonnen- und Gegenlicht sowie abstrakte, gestisch informelle Bilder, die im Blow-Up die Systematik seines Pinselduktus belegen. Dazu wird eine neue Serie von Bildern gezeigt, die sich mit dem Körper in Bewegung, mit Schärfe- Unschärferelationen und dem Thema Zeit auseinandersetzen.
Hier verschwimmt der Raum in der Fläche zugunsten wogender Bewegungsabläufe im Tanz. Pate gestanden hat eine Caravaggio Inszenierung von Mauro Bigonzetti in Berlin. In vergrößerten Video-Stills hat Handel am Computer die Unschärfen menschlicher Bewegung im Licht studiert und Ausschnitte daraus als Vorlagen für seine Malerei neu generiert.
Altmeisterlich perfektioniert mutet die Technik an. Plan ist die Leinwand, plan wie ein Druck das fertige Bild. Auf Holz bringt er zusätzlich Gewebe auf, um einen gleichermaßen massiven wie glatten, neutralen Grund herzustellen; um Feinheiten wie Lichtnebel, Haut- Haar-, Materialstrukturen leuchtend und illusionistisch genau umzusetzen. Mit transparenten Farbschichten, Harzöl, Pigmenten, Salmiakgeist gehärteten Feinhaarpinseln arbeitet er, präzise wie ein Alchimist am Seziertisch, um Stimmungen und Momente im Medium der Malerei zu konservieren.
Auf der KIAF waren seine Bilder ausverkauft.

Bis 3.11., Galerie Klose, Zweigertstr. 3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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