Mittwoch, 13. Oktober 2010

Fotografien gegen den inneren Widerstand



Der Arbeitsauftrag war ebenso klar wie vieldeutig. “Obstructions“, Blockaden, innere Widerstände sollten gefunden und fotografisch umgesetzt werden. Man fuhr nach Rotterdam. Jeder Student aus der Fotografieklasse Thomas Zika ( Freie Akademie der Bildenden Künste in Essen) bekam einen individuellen Begriff, ein “psychologisch aufgeladenes Mantra“, das es fotografisch umzusetzen galt. Eine Selbsterfahrung wurde daraus, die grenzerweiternd war, Motivation und Ansporn zugleich, den blinden Fleck auf der inneren Landkarte zu aufzuspüren. Kein einfacher Prozess war es, aber einer, der kreativen Spielraum ermöglichte und half, die eigene Position zu festigen.
Herausgekommen sind Fotografien, klar und vieldeutig wie das Thema: spannungsreich aufgeladene psychische Situationen, angedeutete Geschichten, narrative Fragmente, die der Betrachter weiterspinnen und zu Ende denken kann, so dass sich das Bild von seinem Fotografen löst und übergeht in den Besitz dessen, der es interpretiert. Sozusagen zu einer anderen eigenen Geschichte wird.
Ungewöhnlich ist, dass die Arbeiten nicht nach Urheberschaft sortiert gehängt worden sind, sondern so, dass sie miteinander korrespondieren und dabei das gemeinsame Projekt stärker betonen als das individuelle Moment.
Dargestellt werden unheimliche, rätselhafte, nächtliche, städtische Situationen, Objekte, die gefunden, arrangiert und dekontextualisiert worden sind, so dass sie Raum geben für neue Geschichten. Eine Frau sitzt vor einem Knochenberg, dessen Farbe und Struktur an Blüten erinnert; im nächsten Bild kauert sie, mit weißen Bandagen gefesselt, ästhetisch sinnfällig auf einem Stuhl, ohnmächtig, handlungsunfähig, stillgestellt.
Ein junger Mann läuft nachts nackt durch den Wald. Das Foto ist aufgenommen mit Selbstauslöser in Großaufnahme im Gegenlicht. Wem begegnet er?
Zwei ausgediente Stühle türmen sich, beleuchtet wie auf einer leeren Bühne: Was ist passiert? Was folgt? Krimi, Katastrophe oder einfach das Ende der Show?
Die Arbeiten sind von: Johannes Dreuw, Felizitas Gemetz, Ole-Kristan Heier, Chiara Nardini, Hanne Nowak, Denise Ogan, Sonia Olivereau, Roland Regner, Ralf Schwarz, Kristine Thviashvili, Thomas Zika ist der Leiter des Projekts.

Bis 31.10.2010, Galerie K29, Ricarda Fox, mi, do, fr, von 15-19, sa u. so von 12-18 Uhr, Kreuzeskirchstraße 29 

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