Mittwoch, 13. Oktober 2010

Holzdrucke von Felix Droese bei Frank Schlag

 
Droese wäre nicht Droese, wenn er nicht sarkastisch, drastisch, deutlich, Gesellschaftliches mit Privatem, Alltägliches mit Skurrilem, Allgemeines mit Besonderem verbände. Denn seine Weltsicht formuliert Einsicht und gleichzeitig Überblick über die Geschichte der Welt und die Gesellschaftsform, die sie prägt. Als Aktions- und Vollblutkünstler, geprägt durch die Studentenbewegung und einen bekennenden Hang zur alltäglichen Anarchie, entwickelt er einen provokanten, medienwirksamen, einen demokratischen Kunstbegriff. Als erster Aldi eigener Künstler, der in Akkordarbeit von Künstlerhand signierte, aber nicht den Druck vom Werk des Künstlers, sondern dessen Passepartout, auf dem es gerahmt für stolze 12.99 Euro unter die Kunden kam. Um Stunden später bei e-bay für 50 Euro versteigert zu werden.
Frank Schlag kennt den Künstler schon lange und richtet ihm derzeit mit 30 Drucken vom Holz aus der Zeit von 1985-2010 die zweite große Einzelausstellung aus. Dabei haben die beiden so “manch seltenes Fundstück zu Tage gekramt“, Vieles entdeckt, was man bislang nicht sah, weil es schlummert im privaten Fundus des Künstlers. “Während Paul Klee jedes Blatt signierte, bevor es fertig war“, läuft es bei dem Biennale- und Documenta-Künstler andersherum, denn ein akribischer Archivar seiner Arbeit ist Droese nicht. “Man findet einen riesigen Druckstock, vielleicht den passenden Druck oder umgekehrt“, erläutert der Beuys-Schüler seinen kreativen Organisationsprozess.
Auf einem Holzblock, er hängt schwarz und schwer und raumhoch an der weißen Wand der Galerie, sieht man die Silhouette eines LKW, durch die geöffnete Ladetür Füße und den Knauf eines Gewehrs. Daneben hängt der Druck und zeigt, wie Farbe eigenwillig ihre Spuren zieht. Eine Szene beim Transport von Kunst, die der Künstler in Italien beobachtet hat.
Worum es in dieser Ausstellung geht? Um Kunst und Kapital, Geld und dessen Versenkung, um Frauen, Natur und Gewalt in Geschichte und Gegenwart. Und darum zu zeigen, wie die Entwicklung des Künstlers sich in seinem grafischen Werk manifestiert.

Bis 19.11.2010, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstraße 173, di-fr 14-19, sa 11-16

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