Mittwoch, 24. November 2010

Ein Koreaner zu Gast bei Klose

 
Nicht nur in China, auch bei den Koreanern gilt Kopieren als hohe Kunst. Jahrelang habe er nur Vögel, Berge und Bambus gemalt, bis er die Landschaft als ganze habe darstellen können. Mit Demut und Hingabe kopiert der Schüler den Meister, lernt, übt und verinnerlicht die kulturelle Tradition, bis er schließlich den Lehrer verlässt. Erst dann ist der Schüler reif für die Meisterschaft, wenn er sich von der Geschichte löst, sie integriert in ein eigenes Werk. 
Kang  Yongmyeon ist auf dem Weg dorthin fast angekommen, "Taking a lesson from the past" lautet der Ausstellungstitel in der Galerie Klose. Dass der Mann aus Seoul sich mit Tradition auseinandersetzt, kaschiert er gut, jedenfalls sieht man es seinem Werk mit den so unterschiedlichen Techniken zunächst nicht an: Kunststoff, Holz, Bronze, Glas, von innen beleuchtet, von außen bemalt, kaum glauben deren Herkunft aus einer Hand. Krieger, aus Holzbalken hervortretende Köpfe und Gesichter, ein Buddha, Tiere in den unterschiedlichsten Konstruktionen und Kompositionen. In ihrer in Wellen gefalteter  Oberflächenhaut, mit zackiger Kontur und gezücktem Schwert, grell bunt aus glänzendem Acryl und per LED von innen strahlend, sehen diese Krieger eher wie geklonte aus. Dazu gesellen sich  Pferd, Hase und Polarbär, Plastiken aus pigmentierten schrundigen Acrylfetzen wie  gedrippte Pollock-Gemälde Lage über Lage systematisch aufgebaut. Ein großer Kopf aus Bronze und Mosaikstückchen und 100 kleine, handgeschnitzte aus Holz, jedes mit individuellem Ausdruck.
Koreanische Materialtradition und die alten Ikonen aus Mythologie und Natur werden transformiert in neue, die sich hier etablieren werden. Als Kunstzeichen aus Korea, die man zu schätzen weiß. So wie der Künstler die deutsche Galerie, die Landschaft und Menschen hier. Er meint, was er sagt, sagt es aufmerksam und mit Sorgfalt. Genauso produziert er Kunst, so schaut er auf das Leben und den Alltag um ihn herum. 
Ebenso neu im Programm, ist der in Berlin lebende Ire Mike Mac Keldey, dessen fotorealistische Portraits so lange übermalt werden, bis sie reduziert sind auf den physiognomischen Fingerabdruck einer Person, ein charakterisierendes Muster in einem Moment vor dem Verschwinden in Ölmalerei.  

bis 1.12., Galerie Klose, Zweigertstr.3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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