Mittwoch, 24. November 2010

Kunst-Messen an der Ruhr

Die C.A.R. (Contemporary Art Ruhr) hat sich etabliert und mit ihr der Name, der heute kaum noch einer Erklärung bedarf. “Sympathisch, kontinuierlich, nicht ohne Kanten“ ist die Messe gewachsen, so der Dortmunder Galerist Axel Schoebe  von ART-isotope, der seinen Stand im Erdgeschoss des Sanaa-Gebäudes aufbaut, ebenso wie die Galerie Kabuth aus Gelsenkirchen. Seit Messegründung residieren sie hier mit Malerei und Skulptur, innovativem, durchaus nicht nur gefälligem Programm. Meterhohe Skulpturen, Raumzeichen in labilem Gleichgewicht zeigen sie und kleine, Batterie betriebene, aus Fundstücken filigran gefertigte.
Wo man früher auf die Förderung von Kohle und so gar nicht auf Kunst eingestellt war, blühen heute Kunstmessen, heterogen und eigenwillig wie die Region, in die sie gepflanzt worden sind, als zukunftsweisendes Zeichen sozialen Wandels. Als ehemals exotischer Fremdkörper auf weltkulturgeschütztem Zechengelände zieht die C.A.R. mittlerweile Menschen an: Messebesucher aus Belgien, Holland, dem Rheinland, aus Köln von der Art Fair 21, Quadriennale Besucher aus Düsseldorf und nicht zuletzt neben einigen Sammlern authentische Kulturhauptstadtbesucher- und bewohner, die sich ein solches Event nicht entgehen lassen, und mit Kind und Kegel vorbeigeschlendert kommen.
Warum dieser neutrale, nicht unkritische Blick? Weil man es hier nicht nötig hat, sich aus falsch verstandenem Lokalpatriotismus über den Klee zu loben, ebenso wenig wie man sein Licht unter den Scheffel stellt. Man ist offen für eine nüchterne Bilanz, und die sieht, besonders im Kulturhauptstadtjahr, positiv aus. Eine um 30% gestiegene Besucherzahl, die Verdoppelung der  Aussteller im Vergleich zum Vorjahr mit Zuwachs aus Ungarn, Paris und Los Angeles sprechen für sich. Zu hoffen bleibt, dass dieser Trend auch die nächsten Jahre hält, was er verspricht.
Besonders zufrieden haben sich die Essener Galerien mit einem Gemeinschaftsstand in der Halle V. gezeigt. Die anfängliche Skepsis wich eindeutiger Begeisterung. An die 20 Bilder und Objekte hat der Kunstraum verkauft und auch die anderen Galerien wie Klose, Obrist, Schütte, Schlag, Heimeshoff und Kiefer  waren mehr als zufrieden mit dem Verkauf und der konzentrierten Präsentation qualitativ hochwertiger Kunst. Dazu die Kommunikation mit Kunden, neue Kontakte sowie die unerwartet hohe Besucherzahl. “Wahre Ströme waren es anfangs“, doch nicht alle schienen im ersten Stock des Sanaa Gebäudes angekommen zu sein. Samstag war man dort  weitgehend unter sich. Hier wurde ein unzureichendes Ausstellerverzeichnis moniert, das den Besucher mehr umherflanieren als gezielt nach Bekanntem suchen ließ.
Die Qualität der Kunst? Gut war sie und dabei so heterogen wie woanders auch, aber im Preis-Leistungsverhältnis mehr als solide, besonders im Vergleich zu anderen Messen mit deutlich höherem Preisniveau.
Als sinnfällige, nützliche Kooperation erwies sich der von Mercedes gesponserte Shuttle-Service, der es möglich machte, trockenen und nicht ermüdenden Fußes die Strecken von einer zur nächsten Kunsthalle zu überbrücken. Um frisch zu bleiben für die Landschaftsbilder, die neben der Kunst aufziehen: Novembernebel über grasbewachsenem Zechengelände, schwarzweiße Wolkenberge zwischen Fördertürmen, verwitterte Farb- und Materialspuren auf Wänden aus Beton. Das Gelände ist schön, es ist spröde und  immer noch wild. Und die vielfach ausgezeichnete Architektur, industriell oder in puristischem Design, bedarf in  ihrer kontrovers monumentalen Ästhetik keinerlei Kommentars.
Verbesserungsvorschläge? Auch die gibt es, und zwar nicht nur von mir. Größere Stände, gleichmäßigeres Licht, professionellere Kundenbetreuung, ein systematisches Ausstellerverzeichnis... aber man ist auf dem Weg!

Ähnliches gilt für die Kuboshow in den Herner Flottmann Hallen. So der Besucher sie fand, hatte er zunächst das Gefühl, über einen Flohmarkt zu spazieren. Auf braungrauen Stellagen und ungestrichenen Wänden hing  figurative Kunst, vorwiegend Malerei, deren Qualität jedoch deutlich besser war als die Präsentation. Auch hier herrschte Zufriedenheit mit Besucherzahlen und dem Verkauf.

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