Dienstag, 30. November 2010

Weiß ist keine Farbe

Weiß ist keine Farbe, Weiß ist Philosophie. Als Summe aller Spektralfarben symbolisiert sie Entgrenzung, Immaterielles, Transzendenz, Reinheit, Unschuld, Vollkommenheit, Wahrheit und Licht, aus dem sie alles Sichtbare gebiert. Als Farbe des Glücks, der göttlichen Ordnung und Kraft ist sie als höchste lithurgische Farbe der katholischen Kirche bekannt. Die Braut, das weiße Opferlamm, die Taube, der weiße Stier, als welcher Zeus Europa erschien, die Assoziationen und symbolisch mythologischen Zuschreibungen scheinen endlos wie die Mutter aller Farben selbst. Leichter, empfindlicher und reiner als alle anderen ist von ihr in unserem Kulturkreis keine negative Bedeutung bekannt.
Kann eine Ausstellung scheitern, die dieser Farbe gewidmet ist? Niemals. Doch wer glaubt, dass Weiß nur gefällig oder willfährig ist, irrt. In diesem Sinne wurde in der Galerie GAM eine Ausstellung zusammengestellt, ausgerichtet von 26 Künstlern, n style=die eine bis drei Arbeiten aktualisiert oder eigens zu diesem Thema anfertigt haben. Was unterschiedlich aussehen könnte, ergibt ein schönes, stimmiges Bild, das neben der Spannbreite der Farbe ein Charakteristikum besonders betont: die Leichtigkeit und Entrücktheit dieser Unfarbe, ihre Kraft, mit der sie Buntes, Grelles, Lautes überstrahlt.
Ein neues Licht wirft die Ausstellung besonders auf die Künstler, deren Werk sonst von anderem Inhalt und intensiver Farbe lebt. Figuratives, Abstraktes, Expressives, Ironisches, Sarkastisches gibt es zu sehen, vom Menschen, der Landschaft oder in reiner Form, kurz gesagt viel Schönes in dieser Atmosphäre, bestimmt von der Farbe Weiß. Und Kaufbares dazu, denn die Preise sind human.

Helge Jespen, Marcela Böhm, Jörg W. Schirmer, Gerd Kanz, Ayse Arslan, Michaela Schulze-Wehninck, Dagmar Rauwald, Michael Goller, Gaby van Emmerich, Armin Scheid, Barbara Ring, Gabriele Kaiser-schanz, Eberhard Ross, Helge Emmaneel, Thomas Zika, Gabriele Kaiser-Schanz, Jürgen Paas, Dieter Kränzlein, Anja Schreiber, Ralf Bohnenkamp, Robin Horsch, Annette Laudert, Andreas Titzrath, Julia Willms, Peter Schör, Shinchi Tsuchiya, David Alcántara, Danielle Schulte am Hülse, Frederik Jan van Berg und Wiebke Bartsch sind dabei.
Nicht vergessen, obwohl die Tüten fast ausverkauft sind, sollte man die diesjährige Weihnachtsaktion der Galerie. Zum Jubiläum der Galerie kommen 10 Jahre "Wundertüte", kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Die 26 Künstler und Künstlerinnen der Ausstellung sind mit jeweils zwanzig DinA4 großen, in verschlossenen Umschlägen versteckten, signierten Arbeiten repräsentiert, pro Kunstwerk à 36 Euro zum Thema der Farbe Weiß. Die Kasse klingelte ohne Unterlass, war nach zwei Stunden voll, der Tisch mit den Tüten fast gähnend leer. Doch auch hier gilt: Wer sucht, kann noch fündig werden...

Bis 15.1.2011, GAM, Kahrstraße 59, di-fr 12-18, sa 10-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen