Mittwoch, 15. Dezember 2010

Listen to your eyes ... Genie!

Wie bringt man 20 hochgradig individualisierte Künstler dazu, mit ein oder zwei Exponaten eine opulente Gruppenschau zu bestücken? Bilder herzugeben oder eigens anzufertigen, die variabel auf- und abgehängt werden dürfen, nämlich dann, wenn sie verkauft worden sind, um Platz für ein neues Objekt zu machen?
Das Versprechen vom Glück liefert das verbindende Thema der Schau, dargestellt in und erlebt durch die Kunst. Und wenn der Betrachter sich in der Galerie fühlt, als ob das Glück von Dauer sei, sei's drum! Gute Kunst macht glücklich, obwohl die Bilder eher das Gegenteil zeigen von dem, was das Glück verspricht.
Intensiv leuchtende Farben gibt es zu sehen, bunte, satte oder sorgsam geglättete Flächen, haptisch einladend und frisch in Öl, Acryl oder Lack auf Holz, Leinwand oder Aluminium. Dazu gibt es Objekte, die inhaltlich und materialtechnisch vergleichbare Qualitäten suggerieren: Ein Aluminiumobjekt in Lack oder Aluminium, spiegelnd glänzend, geschnürt zu unregelmäßig organischer Form. Oder ein roter Stier aus Gartenschläuchen gedreht, der mit dem Kopf durch die Galeriewand drängt. Ein Börsenversprechen oder die Suggestion von Macht zeigen sich hier in alltäglich banalem Material. 
Neu im Programm, hoch gehandelt und international ausgestellt ist Wolfgang Köster mit Ölbildern auf Aluminium von Stars des Show-Busisness. Marilyn Monroe und Don Quichote begegnen sich oder Kate Moss und eine Kerze, lesbar als Gerhard Richter- oder Barock-Zitat. Instant-Stories als Abziehbilder bearbeitet er, bevor er sie in ihren Leerstellen malt als edle Variante und schwere Ironie eines leichten Kunst Konsums. Alpay Efe ein junger Künstler, der mit altmeisterlicher Technik und zeitgenössischer Thematik überrascht, malt Eva im Gehäuse als Lucas Cranach-Zitat. Overknees sind das fast einzige Kleidungsstück.
Bekannte Lehrer wie Anzinger, Penck, Daniel Kiefer weist der in New York lebende Hondori auf. Gemalte Collagen des Menschen im öffentlichen Raum, wobei sich Kultureinflüsse aus Indien und Amerika in leeren Gesichtern spiegeln. "Where is your longing for rebellion" fagt Lucia Dellefant, wenn sie stereotypisierte Stadtkulissen in futuristische Atmosphäre fasst, während ein paar Schritte weiter Martin Herler Menschen wie Marionetten auf Rolltreppen zeigt. Stillstand und Bewegung werden eins auf engem Raum, ähnlich wie die Kois von Jan Grothkopp sich im Bildraum kaum orten lassen.
Unterschiedlich gerinnt der Traum vom Glück: Als sexistische Kautschuk- und Lederphantasie bei Ivo Lucas, als interkultureller Kleinbürgertraum bei James Larsen, in floralen utopischen Landschaften bei Derek Curtis oder in abgründigem Trance bei Roman Weiss. "Lost Hollywood", eine junge Frau in Plastik und Neon gehüllt liegt mit Walkman auf der Straße, der Betrachter friert, sieht er auf der Fotografie ihre nächtliche Gänsehaut.
Abgründiges erwarten lassen auch die Fotografien von Wolfgang Kleber, dem ältesten Künstler der Galerie. Eine Frau, nur halb bekleidet, allein im Auto am Baldeneysee, der heimische Ort als Tatort oder Schauplatz einer "amour fou"?

Vieles noch gibt es zu sehen. Lassen Sie sich das Video zeigen, wie Sebastian Heiner malt: mit Kübeln voll Farbe und Fliegenklatsche. Den Künstler zog es von Bielefeld an den Puls sozialer Veränderung, nach Peking und Shanghai.

Bis 15.1.2011, kunst-raum, Rüttenscheider Straße 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr

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